Schulboykott gegen Wehrpflicht – 45.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer

In 100 Städten gingen am Freitag (25.09.2026) Jugendliche während der Schulzeit auf die Straße und protestierten gegen drohende Wehrpflicht, Zwangsmusterung und Krieg. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Schulboykotts schlossen sich am nächsten Tag gleich dem gewerkschaftlichen Kampftag gegen die Regierungspolitik an.

Berichte aus den Orten:

Rostock:

Start des Schulstreiks gegen Wehrpflicht in Rostock war um 11 Uhr. Es kamen 400 bis 500 Menschen, mehrheitlich Jugendliche. Die Demoroute geht einmal um die Innenstadt herum. Die Auftaktkundgebung begann mit kämpferischen Reden, die auch klar den Kapitalismus angreifen.

Es wurde gegen ‚Argumente‘ der Regierung zur Wehrpflicht gesprochen:

„Das die ‚Freiheit‘ verteidigt werden muss, stimmt nicht, wenn man sich ansieht, mit welchen Maßnahmen die Regierung die Jugendlichen unterdrückt und zur Musterung zwingt. Auch in der Ukraine sieht man, dass im Kriegsfall nicht die Freiheit verteidigt wird. Stattdessen wird die Demokratie eingeschränkt und Männer werden gezwungen, an die Front zu gehen. Von der Rüstungsindustrie profitieren auch nur die Reichen. Wir erleben stattdessen einen Sozialabbau. Deswegen ist es auch gut, dass der DGB morgen eine Demo dazu macht.“

Duisburg:

In Duisburg kamen ca. 50, großteils Jugendliche, zur Schulstreik-Aktion und Demo gegen die Wehrpflicht, aber auch einige Erwachsene. Eine Schülerin berichtete, dass die Schulleitung bei Teilnahme Repressalien angekündigt hat, u. a. die Jugendlichen von der bereits bezahlten Klassenfahrt nach Berlin auszuschließen.

Von einer anderen Schule kam eine kleine Gruppe Jugendlicher, aber auch Azubis haben wir getroffen. Zu Beginn sprachen der Ver.di-Jugendsekretär und eine Vertreterin der DGB-Jugend. Sie sprachen klar ihre Unterstützung und Haltung gegen die Wehrpflicht aus und mobilisierten dann für morgen zur großen Gewerkschaftsdemo nach Essen. Wir mobilisierten ebenfalls mit dem REBELL-Flugblatt dafür. Einige wollen mitkommen. Von den Jugendorganisationen waren SDAJ, REBELL und Young Struggle vertreten. Neben Parolen gegen die Wehrpflicht wurde bei der kämpferischen Demo auch ‚Jugend – Zukunft – Sozialismus‘ gerufen. Wir haben auch Werbung für das neue Buch ‚Die Lehre von der Denkweise‘ und Lesegruppen dazu gemacht. Dafür gab es Interesse und ein Buch wurde verkauft.

Hagen:

Hier demonstrierten 30 jugendliche und ältere Teilnehmer gegen die Wehrpflicht.

Stuttgart:

Etwa 250 Jugendliche und einige Erwachsene demonstrierten heute durch die Stuttgarter Innenstadt. Etwa gleich viele wie beim letzten Mal im Mai. Der Jugendverband REBELL war mittendrin und warb offensiv für seine Party heute Abend im ABZ-Süd und gewann Mitgliedswünsche.

Dabei waren auch IG Metall, Ver.di, SDAJ, KJ, Friedensaktivisten mit Fahnen und viele mit eigenen Plakaten. Die Losungen ‚Ohne Streik wird sich nichts verändern‘ und ‚Jugend – Zukunft – Sozialismus‘ wurden in großer Einigkeit gerufen.

Schulboykott in Stuttgart (rf-foto)

Bielefeld: Knapp 200 Jugendliche beteiligten sich

Wir vom REBELL verteilten den REBELL-Flyer und in vielen Gesprächen, fast nur in Gruppen, stellten wir den Jugendverband vor. Bemerkenswert war die Offenheit, die Kapitalismuskritik bis hin zur Freude von Jugendlichen darüber, mit uns auf Gleichgesinnte gestoßen zu sein. Es gab großen Redebedarf. Viele sehen den Sozialismus als mögliche Alternative. Einige Jugendliche sogen unsere Aussagen über die Entstehung von Kriegen, zur Perspektive des echten Sozialismus und zur Frage der Denkweise förmlich auf. Auch wenn es zahlenmäßig weniger Jugendliche als bei den letzten Protesten waren, so ist offensichtlich die gezielte Suche nach einer sozialistischen Perspektive gewachsen.

Dresden: „Die Reichen wollen Krieg – die Jugend eine Zukunft“

Am Freitag haben wir uns als REBELL Dresden am bundesweiten Schulstreik gegen die Wehrpflicht beteiligt. In Dresden kamen unter dem Motto „Die Reichen wollen Krieg – die Jugend eine Zukunft“ circa 1000 Schülerinnen und Schüler zusammen, um gegen die geplante Wehrpflicht zu demonstrieren. Es waren Jugendliche verschiedensten Alters vertreten, die klar gezeigt haben, dass sie sich das nicht gefallen lassen. Wir konnten unsere Forderungen gut auf die Straße bringen und der Streik war ein voller Erfolg. Dennoch ist es uns wichtig, nicht nur gegen die aktuelle Situation zu demonstrieren, sondern uns gegen das gesamte System zu erheben. Denn die Regierung will uns nicht in den Krieg zwingen, um den Frieden zu erkämpfen, sondern um ihre imperialistischen Interessen mit unserem Leben zu verteidigen. Daher heißt es für uns: Nein zur Aufrüstung, Nein zum Krieg – auf zum echten Sozialismus!

Augsburg: Kämpferische Demo durch die Stadt trifft auf Sympathie unter Passanten

Die Demo durch die Stadt war sehr kämpferisch, erregte viel Aufmerksamkeit und Sympathie unter den Passanten. Der Protest gegen die Wehrpflicht war eng verbunden mit der Ablehnung der Aufrüstung und dem Kampf gegen die Weltkriegsgefahr und gegen den Abbau der sozialen Errungenschaften. Einige Teilmehmer wollten am nächsten Tag auch mit zur DGB-Demo gegen die Regierungspolitik fahren. Einige junge Schülerinnen und Schüler, die erst seit ein paar Monaten in der Vorbereitungsgruppe zum Schulstreik aktiv sind, haben selbstbewusst kämpferische Reden gehalten. Die Parolen reichten von „Nie wieder Wehrpflicht“ bis „Jugend, Zukunft, Sozialismus„. Der Redner der MLPD führte dazu auch aus, dass die Ursache der Kriege im imperialistischen System liegt, und erst mit dessen revolutionärer Überwindung auch die Kriege abgeschafft werden können.

Erfurt: Straßenfest und Demonstration der sozialistischen Jugendbewegung

Etwa 150 vorwiegend junge Menschen versammelten sich am Freitag auf dem Erfurter Anger zum Schulboykott gegen die Wehrpflicht. In der Vorbereitung hatte sich ein Bündnis quer durch die sozialistische Jugendbewegung gebildet: MLPD, REBELL, SDAJ, Rotes Erfurt, Young Struggle und die RKP. Von 11 bis 15 Uhr gab es Stände am Erfurter Anger, die Demo startete und endete dort. Die Stände waren anziehend für die Passanten, wodurch die Auseinandersetzung mit der Bevölkerung gefördert wurde. Den ganzen Tag über kamen immer wieder Menschen auf den Anger, denen der Kampf gegen imperialistische Kriege am Herzen liegt. Als die Demo an einer Schule vorbeizog, kam ein Lehrer heraus. Er drückte seine Solidarität aus und sagte, dass seine Kinder gerade auf einer Streikaktion in Weimar sind. Der Stand von MLPD und REBELL hat sich besonders großer Beliebtheit erfreut, es wurden 100 € mit dem Verkauf von Literatur eingenommen. Innerhalb der ersten Stunde wurden zwei Exemplare des Buches „Die Lehre von der Denkweise“ verkauft. Mehrere Jugendliche wollen Mitglied des REBELL werden. Als REBELL stellten wir in unserem Redebeitrag die Arbeiteroffensive und den echten Sozialismus in den Mittelpunkt.

In Erfurt erfreute sich der Stand von MLPD und REBELL besonderer Beliebtheit (rf-foto)

Lübeck: „Jugend – Zukunft – Sozialismus“ erschallte durch die Straßen

In Lübeck waren ca. 90 Personen beim Schulstreik gegen die Wehrpflicht. Davon die Mehrheit Jugendliche, die Demonstrationsroute führte an drei Schulen vorbei, um den Schülerinnen und Schülern Mut zu machen, sich in Zukunft zusammenzuschließen, falls es Probleme mit Schulstreiks gibt. Parallel macht die Bundeswehr am schönsten Platz der Stadt über eine Woche lang „Berufsberatung“. Eine Frau beschwerte sich, dass die Bundeswehr an die schönsten Plätze darf, wie auch bei der Travemünder Woche an der Ostsee. 

Gelsenkirchen: REBELL informiert über Streik- und Kampftag der Automobilarbeiter

  • 50 bis 60 vorwiegend junge Teilnehmer..
  • Die Vertreterin des Jugendverband REBELL informierte über den kämpferischen Streik- und Kampftag der Automobilarbeiter…
  • Unser Demo-Block führte an mindestens fünf umliegende Schulen vorbei und war sehr kämpferisch…
  • „Heute habe ich mehr gelernt als in vielen Schulstunden“ war das Resümee eines Teilnehmers.

Repressive Maßnahmen in einigen Städten

Überwiegend verhielten sich Lehrerinnen und Lehrer sowie Schulleiter solidarisch gegenüber dem Schulboykott gegen die Wehrpflicht. Es gab aber auch repressive Maßnahmen. So wurden Schülerinnen und Schüler in einem Münchner Gymnasium in der Schule eingesperrt, damit sie nicht teilnehmen konnten. Einige sprangen über den Zaun und schlossen sich dem Demozug an. Auch in Bonn wurden Jugendliche im Schulgebäude festgehalten, ähnliche Vorfälle gab es in weiteren Städten.

Folgende nächste Aktionen hat die Aktionseinheit angekündigt:

Um der Wehrpflicht etwas entgegenzusetzen, werden wir

  • den Kampf gegen die Kriegsvorbereitung mit den sozialen Kürzungen in Verbindung stellen! Deshalb beteiligen wir uns an den bundesweit stattfindenden Demonstrationen und Protestaktionen gegen die Sozialkürzungen. Zu unserem nächsten Streiktag laden wir darum Redner aus den Gewerkschaften des DGB ein und solidarisieren uns mit den bundesweit geplanten Aktionstagen gegen die Sozialkürzungen am 26. September.
  • am 2. Oktober  beteiligen wir uns an der Konzertkundgebung „Unzwingbar – Kein Bock auf Krieg und Wehrpflicht!“ in Berlin!
  • an der Demonstration „Nein zu Hochrüstung, Wehrpflicht und Krieg! Für Frieden, demokratische Rechte und soziale Sicherheit!“ am 3. Oktober in Berlin und Stuttgart teilnehmen.
  • danach wollen wir am 4. Oktober beim Jugendkongress gegen Krieg in Berlin voneinander lernen und gemeinsam Perspektiven entwickeln.
  • wir stören Bundeswehrauftritte und schaffen Schulen ohne Bundeswehr!
  • am 14./15. November  führen wir (bspw. in Bonn) die IV. Schulstreikkonferenz durch, um weitere Schulstreiktage, Aktionen und Orientierungen zu diskutieren, zu beschließen und uns weiter zu vernetzen.
  • am 20. November führen wir einen Aktionstag in Deutschland durch, weil dort auch Organisationen aus anderen Ländern gegen Aufrüstung, Krieg und Wehrpflicht aktiv werden.

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