Wie Cannabis mein Leben kontrollierte und ich wieder davon los kam

Kiffen ist cool. So dachte ich viele Jahre und hab das auch nach außen vertreten. Zusammen mit Freunden `ne Tüte rauchen, sich sozialisieren, entspannen und runterkommen oder einfach zum Spaß haben. Das „Recht auf Rausch“ wahrnehmen, aber eben nicht mit Alkohol, wo man Gefahr läuft, aggressiv zu werden oder am nächsten Tag nicht mehr zu wissen, was am Vorabend passiert ist.

Mit 14 das erste Mal probiert, mit 16 so gut wie jeden Tag geraucht, acht Jahre lang. Immer wieder hab ich neue Ausreden gefunden: Zuerst der Spaßfaktor, weil im Rausch ist man ja witziger drauf; dann, dass es ja wenigstens nicht sooo schlimm wie Alkohol sei; in der Ausbildung, um in der Frühschichtwoche früh einzuschlafen. Ohne mir darüber bewusst zu sein hat der Cannabiskonsum meinen Alltag bestimmt. Aus „mit Freunden treffen und vielleicht einen rauchen“ wurde „mit Freunden treffen, um einen zu rauchen“. Aus „um möglichst früh einzuschlafen“ wurde „um überhaupt einschlafen zu können“. Aus „um den Alltag erträglicher zu gestalten“ wurde „Alltag“.

Nach und nach hab ich alles links liegen gelassen. Früh morgens aus dem Haus, gewartet bis meine Eltern zur Arbeit gegangen sind, dann nach Hause einen rauchen, noch `ne Runde schlafen, Serien schauen oder zocken, noch einen rauchen… Finanzierung? Kein Thema. Die Eltern verdienten gut, da fiel ein Fuffi weniger im Portmonaie nicht auf. Nach dem Schulabschluss und mit einem Teilzeitjob war zwar eine finanzielle Unabhängigkeit vom Elternhaus garantiert, doch für mich war das der Freifahrtschein, sich der Sucht voll hinzugeben.

Da ich ja auch mit Freunden kiffte, war ich der Meinung, ich sei sozial nicht isoliert und dass ich durch Freunde, Familie und einen Job auch meinen Alltag unter Kontrolle hätte. Fehlanzeige! Zu Hause hatte ich immer eine „Notration“ mit ein oder zwei Tütchen nur für mich allein. So lief ich nicht Gefahr, mit anderen teilen zu müssen. Erst mit dem Joint nur für mich kam auch die erhoffte Befriedigung.

Cannabis als „Alternative“ zum Alkohol? Fehlanzeige! Auf Partys oder Festivals ging natürlich beides Hand in Hand. Einziges Credo: Alk auf Gras macht Spaß, Gras auf Alk schafft nur Hulk!

Körperliche und psychische Folgen waren mir egal. Nach ein paar Jahren fiel mir das auf die Füße: Wenn ich meine „Gute-Nacht-Tüte“ rauchte, kamen üble Gedanken; ich begann, mich beim Inhalieren auf meine Atmung zu konzentrieren, dadurch geriet ich „aus dem Takt“. Ein angeborener Reflex wurde so plötzlich zur Konzentrationsaufgabe!

Eine erzwungene Pause brachte die Entscheidung: Routineuntersuchung für meine Arbeit beim Arzt. Hieß für mich also, zwei Wochen nicht kiffen, vier Tage massive Einschlafprobleme, absurde Träume, unruhiger Schlaf und übermüdet und völlig fertig in den Tag starten. Das zeigte mir aber auch: es geht ohne, es ist unnötig, man kann auch so auf seine Kosten kommen und viel Spaß haben, man verliert nicht seine Freunde, nur weil man bei denen immer als „der Kiffer“ bekannt und beliebt war.

Mittlerweile ist es über zwei Jahre her, als ich aufgehört habe, doch die Folgen sind unumkehrbar: Diebstahl bei den Eltern; ein grottiges Kurzzeitgedächtnis; eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit; Alpträume, in denen ich kiffe und schweißgebadet aufwache…

Wenn ich mit Freunden in Erinnerungen von damals schwelge, als wir uns zusammen für eine Woche mit 40 Gramm verschanzt hatten, um zu kiffen, zu zocken oder uns auf einer Matratzenlandschaft zu raufen und natürlich um danach noch einen zu rauchen, bekomme ich immer wieder große Lust, nochmal an einer Tüte zu ziehen und die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen.

Aber wozu? Um den ganzen Heckmeck noch einmal durchzumachen und einen völligen geistigen und körperlichen Ruin zu riskieren? Kann ich mir nicht leisten! Meine Schussfolgerungen? Meine Energie und Lebenszeit nicht in Rauch auflösen, sondern im REBELL für eine lebenswerte Zukunft kämpfen!


Dieser Artikel erschien zuerst im REBELL-Magazin Nr. 1/2026.
Lest am besten das ganze Magazin!

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