Published on März 27th, 2021 | by Magazin

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„Wir fordern Sie auf, das umgehend zurückzunehmen und sich zu entschuldigen!“

Der Jugendverband REBELL hat einen Protestbrief an die Redaktion von „Zeit-Online“ und den Redakteur Alan Posener geschrieben:

Sehr geehrter Herr Alan Posener,
sehr geehrte Redaktion von zeit-online!

Wir protestieren gegen die antikommunistische Gleichsetzung von REBELL und AfD in Ihrem
Kommentar vom 14.03.2021 bei zeit-online unter dem Titel „Kiffen lernen von Mexiko“, die im
Vorschlag gipfelt, der REBELL solle sich mit der AfD zusammentun. Eine Unverschämtheit. Die
Vergleiche in Ihrem Kommentar sind auch sachlich falsch und äußerst schlecht recherchiert! Wir
fordern Sie auf, das umgehend zurückzunehmen und sich zu entschuldigen!
Der Jugendverband REBELL und die MLPD sind gegen die Legalisierung, auch von Marihuana.
Kiffen kann nach nachweislich zu schweren Psychosen führen, daran ändert auch der hundertste
Vergleich mit dem unbestritten gefährlichen Alkohol nichts. Kein Wort dazu von Ihnen. Die
internationale Legalisierungsdebatte wird inzwischen fast überall von bürgerlichen Parteien
vorangetrieben, die seit Jahrzehnten in Regierungsverantwortung stehen. Während Sie also für die
schreiend ungerechte kapitalistische Wirklichkeit verantwortlich sind, soll die Jugend sich daran
gewöhnen, vielleicht noch kritisch sein, es aber mit einem Joint als „alternativlos“ akzeptieren?!
Der REBELL steht für echte Rebellion und dafür brauchen wir einen klaren Kopf!
Dieser Standpunkt hat überhaupt nichts mit der AfD gemein! Bei der AfD können Sie Zitate finden,
um ihr fast jeden Standpunkt in der Drogenfrage nachzusagen. Ein Beispiel? Die Arbeitsgruppe der
AfD-Fraktion Hamburg-Mitte kommt zum Ergebnis, „dass das Verbot der Hanfpflanze vollständig
aufgehoben gehört.“1
Der Deutsche Hanfverband stellt fest: “Es gibt bisher keine offizielle Position der AfD oder führender Mitglieder zum Thema Drogenpolitik oder Cannabis.“2
Seriöser Journalismus wäre gewesen, sich ein treffendes Urteil über den Standpunkt der AfD zu verschaffen. Und dazu auf die Hände, anstatt nur auf den Mund schauen. Der AfD-Kommunalpolitiker Marcus Hoffmann war z. B. mutmaßlich am Schmuggel von 98kg Kokain beteiligt3. In Thüringen, Hochburg der AfD, finanzieren sich faschistische Netzwerke u. a. durch den Verkauf von Crystal Meth und Heroin.4 Auch bei dem von Ihnen zitierten AfD-Abgeordnete Detlev Spangenberg wäre ein kritischer Blick angebracht gewesen. Wenn er sagt: „Eine humane Gesellschaft benötigt keine Drogen“5, fragt man sich doch, seit wann die AfD ihr Herz für eine ‚humane Gesellschaft‘ entdeckt hat? Die AfD tarnt ihre rassistische und faschistische Menschenverachtung mal mehr und mal weniger. Wenn sie es tut, ist sie natürlich gezwungen Anleihen bei Begriffen der Arbeiterbewegung zu machen. Das stiftet ungemein Verwirrung und führt dazu, dass viele nicht richtig zwischen links und rechts unterscheiden können. Statt das aber zu entlarven, geben Sie in ihrem Antikommunismus völlig unkritisch die Demagogie dieser Wegbereiter des Faschismus wieder, denn es dient ja dem höheren Ziel, die Marxisten-Leninisten zu diskreditieren. Sie finden manche Aussagen der AfD klingen wie „alte marxistische Parolen“? Dann haben Sie aus ihre Zeit bei der KPD AO ja wirklich nichts mitgenommen. Die AfD betreibt völkische Demagogie und spielt damit den offenen Faschisten in die Hände. Wollen Sie sich ernsthaft zum Fürsprecher davon machen? Das ist das Gegenteil von Marx! Nachdem Sie Ihrer revolutionären Gesinnung selbst vor langem brav abgeschworen haben, spotten Sie jetzt von ihrem gut bezahlten bequemen Plätzchen aus. Sie bezeichnen die Forderungen nach „festem Zusammenhalt“, „Kampfgemeinschaft“ oder „klarem Kopf“ als „frisch“, „fröhlich“, „fromm“? Fragen Sie mal die Leute in Myanmar, oder die Arbeiterinnen und Arbeiter in der deutschen Fleischindustrie! In Wirklichkeit verläuft in der Drogenfrage, wie in allen anderen, der tiefste Graben zwischen links und rechts. Der konterrevolutionäre Einsatz von Drogen zur Zerstörung von Befreiungsbewegungen hat Tradition. Die Arbeiterbewegung führt dagegen von Beginn an den Kampf gegen alle Formen der Sucht.
Im Namen des Jugendverbands REBELL und mit der Bitte um Veröffentlichung
Inessa Kober

1 https://afd-bezirksfraktion-mitte.de/2019/11/legalisierung-von-cannabis/
2 https://hanfverband.de/nachrichten/news/position-des-deutschen-hanf-verbandes-zur-partei-alternative-fuerdeutschland-afd
3 https://www.spiegel.de/panorama/justiz/niedersachsen-afd-politiker-marcus-hoffmann-soll-98-kilo-kokaingeschmuggelt-haben-a-1301133.html
4 https://www.ksta.de/drogenhandel-und-geldwaesche–neonazi-netzwerk-im-visier-38114668?cb=1615839669726
5 https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2020/kw44-de-cannabiskontrollgesetz-798164?
fbclid=IwAR1MN2_uFPnFXQSvn_INNi-0WCCewTV0xz3miaupFIOoYJJkBzUhGjeohWU

Grafik: Jugendverband REBELL

Hier gibt es den Brief als pdf-Datei

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