Published on November 18th, 2020 | by Magazin

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Nur Fakten schaffen noch keinen Durchblick

(Korrespondenz) Wir vom REBELL Braunschweig haben vor kurzem eine neu aufgenommene und bis vor kurzem sehr engagierte und aktive Rebellin an die Querdenker verloren.

Als wir den Protest gegen die neuen Corona-Maßnahmen und für wirksamen gesundheitsschutz organisierten, stellte sich heraus, dass sie der Meinung ist, dass es keine Pandemie gäbe, die Corona-Zahlen seien künstlich in die Höhe getrieben, besondere Schutzmaßnahmen seien Überflüssig, die Regierung plane die Errichtung einer Corona-Diktatur. Sie berichtete von der Querdenker-Demo am Vortag, an der sie teilnahm und rechtfertigte die Beteiligung von bekannten Faschisten mit dem notwendigen links-rechts-übergreifenden Kampf gegen die „Gesundheitsdiktatur“.

Erstaunlich war, dass sie sich neben ein paar Fake-News zum größten Teil auf Tatsachen berief. Sie hatte eine ähnliche Kritik an der Doppelmoral der Corona-Maßnahmen wie wir. Sie kritisierte z.B., dass man in der Schule Masken tragen muss, aber in öffentlichen Verkehrsmitteln alle dicht an dicht gedrängt stehen.

Das brachte sie zu dem Schluss, dass es keine Gefahr durch Corona geben kann, weil die Regierung ja wirksame Maßnahmen beschließen würde, wenn das so wäre.

Obwohl sie mit vielen medizinischen Fakten wirklich auf dem aktuellsten Stand war, hat sie nicht verstanden, wie diese Fakten in Zusammenhang zueinander und zum kapitalistischen System stehen. Die Wirklichkeit besteht aber nicht nur aus offensichtlichen Erscheinungen, sondern auch aus ihren dialektischen Wechselverhältnissen zueinander. Wenn man nicht in der Lage ist, die Erscheinungen richtig in das Gesamtbild einzuordnen, dann wird man von der Fülle der Fakten und Theorien, mit denen wir überschüttet werden und die sich oft widersprüchlich gegenüberstehen verwirrt.

Um den Menschen zu helfen, sich in dieser komplizierten Zeit richtig orientieren zu können, brauchen wir weltanschauliche Klarheit. Es kommt darauf an, die Erscheinungen richtig zu einzuordnen. Das bedeutet in erster Linie zu klären, dass wir in einer Klassengesellschaft leben und, dass die Grenzen nicht zwischen dem Staat und den Bürgern verlaufen, wie es die Corona-Leugner teilweise darstellen, sondern zwischen den Arbeitern und den Kapitalisten. Erst wenn das klar ist, kann man sich für eine Seite entscheiden, kann man sehen, welche Ansichten wem nützen und wer Freund und wer Feind ist. Gerade in so komplizierten Zeiten, wo es so viel konkrete Kritik der Massen an der Regierung gibt, muss die Frage, auf welcher Seite man steht, als erstes geklärt werden. Bei unserer Rebellin haben wir das unterschätzt, und zu spät begonnen, weltanschauliche Fragen zu klären, sodass sie sich immer weiter in der Theorie der Corona-Leugner verloren hat, bis sie nicht mehr bereit war, sich sachlich damit auseinanderzusetzen. Willkürlich hat sie für sich bestimmt, welche Quellen glaubwürdig sind und welche nicht, das Buch „Corona: Neuartig, gefährlich, besiegbar“ hat sie schon abgelehnt, weil es politisch nicht neutral ist, wie es die Querdenker ihrer Meinung nach sind.

Die Regierung stellt die Leute mit ihrer Propaganda vor die Wahl: entweder nimmt man die Maßnahmen kritiklos hin oder man ist Corona-Leugner. Linke Kritik am gescheiterten Krisenmanagement wird systematisch totgeschwiegen. So treibt der Antikommunismus den Faschisten der Querdenker die Leute in die Arme. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Kritik offensiv und kämpferisch auf die Straße tragen und der wachsenden Unzufriedenheit unter den Massen eine echte Perspektive bieten.

Foto: REBELL Braunschweig


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