Published on Juni 1st, 2020 | by E

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Interview mit einer Auszubildenden zur Krankenpflegerin

„Die Probleme werden oft nicht gelöst“

Die Beschäftigen im Gesundheitswesen müssen kämpfen, die Corona-Pandemie verschärft die Situation für Patienten und Angehörige, es vertieft die Probleme in Krankenhäusern. Wir werfen einen kritischen Blick auf die staatliche Gesundheitsfürsorge und die Maßnahmen der Regierung und haben eine Auszubildende zur Krankenpflegerin interviewt.

Wie geht es dir in deiner Ausbildung?

„Gut, aber der Schichtdienst ist anstrengend, besonders körperlich. Parallel muss ich ja auch noch lernen für den Schulbesuch. Je nachdem auf welcher Station wir sind, müssen wir Schüler/innen die „Drecksarbeit“ machen und werden als billige Arbeitskraft ausgebeutet.“

Was gefällt dir persönlich gut?

„Die Arbeit mit verschiedenen Menschen, kein Dienst ist wie der andere. Es gibt immer Überraschungen und man lernt etwas Neues.“

Welche konkreten Schwierigkeiten gibt es?

„Es sind zu viele Patienten da, aber zu wenig Pflegepersonal. Deshalb müssen wir viel arbeiten, jeden Tag mindestens 10 Minuten länger. So fallen viele Überstunden an. Außerdem kann ich die Freizeit nicht planen, weil Dienstpläne erst so spät vorliegen, deswegen leidet das Privatleben darunter. Viele Auszubildene haben Angst zu arbeiten, da wir uns unzureichend geschützt fühlen. Wir sind oft müde von 12 bis manchmal 20 Diensttagen am Stück. Die Examensvorbereitungen stehen still, viele machen sich Sorgen um ihr Staatsexam. “

Wie werden die Probleme gelöst?

„Oft werden sie nicht gelöst. Es gibt zwar einen „Springerpool“ mit Aushilfen, aber das reicht nicht, weil es auch viele Krankmeldungen gibt. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am 18.03.20: „Deutschland hat ein exzellentes Gesundheitssystem, vielleicht eines der besten der Welt.“ Ja, im Vergleich zu anderen Ländern ist unser Gesundheitssystem sicher auf sehr hohem medizinischen und technischem Niveau. Aber es gibt einen drastischen Abbau von Krankenhausbetten, Schließung von Krankenhäusern, 150.000 fehlende Stellen im Pflegebereich, schon lange vor Corona eine chronische Überlastung des Pflegepersonals, schlechte Bezahlung der Pflegekräfte, wachsende Eigenbeteiligung bei Medikamenten, aktuell unzureichende Desinfektionsmittel, Hygiene und Schutzausrüstung.“

Bist du gewerkschaftlich organisiert ?

„Ja ich bin bei ver.di. Außer, dass zu Beginn der Ausbildung darüber aufgeklärt wurde, dass wir in Gewerkschaften Mitglied sein dürfen, habe ich bisher von keinen gewerkschaftlichen Aktivitäten im Krankenhaus erfahren. Aber ich würde mich auf jeden Fall daran aktiv beteiligen. Außerdem werbe ich unter meinen Klassenkameraden/innen für die Gewerkschaft, etwas gegen diese zum Teil miesen Arbeitsbedingungen zu unternehmen.“

Vielen Dank für das Interview!

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