Published on April 28th, 2020 | by K

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Was bedeutet Kommunismus? – Wie ich mein antikommunistisches Weltbild hinterfragte

(Rostock, Korrespondenz 13.04.20) „Ich bin Kommunist.“ Als mein Freund mir das gestanden hat, wusste ich erst mal gar nicht was ich sagen sollte. Alles was ich bis dahin über Kommunismus „wusste“ war aus dem Geschichtsunterricht und ich dachte mir „da hab ich meinen Trennungsgrund“. Auf der anderen Seite mochte ich ihn wirklich sehr, also habe ich mich daran gemacht das kommunistische Manifest zu lesen.

Warum das Manifest? Weil es mir ohne kapitalistische, faschistische Verzerrungen widerspiegeln würde was denn jetzt wirklich Kommunismus ist, nicht wie irgendwelche Berichte oder Artikel von voreingenommenen Dritten.

Umso mehr ich las, umso mehr wurde mir klar, dass ich überhaupt nichts vom Kommunismus wusste. Wie ich jemals glauben konnte es gäbe heutzutage keine Klassengesellschaft mehr, bevor ich das Manifest gelesen habe, erscheint mir jetzt lachhaft. Marx und Engels haben die Gegensätze zwischen Bourgeoisie und Proletariat klar herausgearbeitet, so dass es ziemlich einfach zu verstehen ist und man sofort sieht – es war nicht nur damals so, es ist heute immer noch so. Noch immer werden Arbeiter in allen Ländern offen und schamlos ausgebeutet, noch immer reduziert der Bourgeois Menschen auf den Wert ihrer Arbeit. In Anbetracht dieser Erkenntnis schienen mir die Forderungen nach einem Sturz der Bourgeoisieherrschaft, nach einer Revolution mehr als gerechtfertigt. „Aber was ist mit dem Eigentum?“, fragte ich mich.

Ich hatte in der Schule gelernt Kommunisten wollen das ganze Eigentum abschaffen und das war immer einer der größten Punkte, warum ich diese Ideologie so ablehnte. Aber es geht gar nicht darum, das persönlich erworbene Eigentum abzuschaffen, sondern das Privateigentum an den Produktionsmitteln. Diese Unterscheidung zwischen zwei verschiedenen Eigentumsformen war für mich neu und bahnbrechend. Mein vorletzter Einwand, den ich gegen den Kommunismus vorzubringen hatte, war damit passé.

So überzeugt ich nach der Lektüre auch war, ich frage mich immer noch ob das Menschenbild im Kommunismus realistisch ist. Sind Menschen nicht zu egoistisch? Das Modell vom homo oeconomicus erschien mir immer so akkurat. Andererseits gibt es auch tausende Beispiele, wie sich Menschen uneigennützig und solidarisch füreinander einsetzen…

Gedanken wie „Arbeitszwang“ oder eine „gewaltsame Revolution“ bereiten mir immer noch Unbehagen, aber das ist für mich kein Grund mehr den Kommunismus abzuschreiben. Im Gegenteil! Es ist ein Ansporn, mich mehr dazu zu belesen und mich mit ähnlich Denkenden dazu auszutauschen und zu diskutieren was, wie und wann möglich ist, um das System zu verändern.

 

Amerkung der Redaktion: Wir freuen uns über weitere Zuschriften und Korrespondenzen zur Bewegung „Gib Antikommunismus keine Chance!“

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