Published on Januar 1st, 2018 | by K

Arbeiteroffensive – Der notwendige und richtige Weg

Was bedeutet eigentlich Arbeiteroffensive?

Wir haben im REBELL beschlossen, dass dieses Heft das Thema „Arbeiteroffensive“ behandelt. Der Grund liegt auf der Hand: Angriffe auf die Arbeiter, aktiver Widerstand der Kollegen gegen die Pläne der Monopole in großem Stil Arbeitsplätze zu vernichten. Dann noch die anstehenden
Tarifrunden Anfang 2018. Die Einzigen die es mit dem heute alleinherrschenden internationalen Finanzkapital aufnehmen können sind die Millionen, in den internationalen Konzernen beschäftigten Kolleginnen und Kollegen. Sie sind top organisiert und verbunden, beherrschen die moderne Produktion, Logistik, Verkehr usw. Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will, wie es so schön heißt. In der Redaktion wurde das Thema allgemein gut geheißen.

Aber was ist überhaupt eine Arbeiteroffensive? In gewissem Maße dachten wir, wenn die Arbeiter offensiv kämpfen. Punkt. Zweifellos entwickelt und zeigt sich aktuell eine erhöhte Kampfbereitschaft in den Betrieben. Da fehlt dann scheinbar nur noch der erste Anstoß für die Kämpfe. Doch das ist eine sehr vereinfachte Vorstellung, die letztlich auf Anbetung der Spontaneität hinaus läuft. Diese führt dazu, dass man nur dahin starrt, wo gerade viel los ist.

Arbeiteroffensive ist ein wissenschaftlicher Begriff der Strategie und Taktik der Marxisten-Leninisten, der mehr umfasst.
„Die Strategie und Taktik der Kommunisten richtet sich nicht nach ihren subjektiven Wünschen, sondern sie muß sieh nach den wirklichen Gegebenheiten richten. Dazu ist es notwendig, die jeweiligen Etappen des Klassenkampfes zu unter. scheiden. Nur so kann eine wirklich erfolgreiche Strategie und Taktik entwickelt werden, ohne daß es zu schwerwiegenden Fehlern und verhängnisvollen Fehleinschätzungen kommt. Wir unterteilen die ganze Periode des Klassenkampfes bis zur Erreichung des Endzieles in drei Etappen:

  • Etappe der nichtrevolutionären Situation,
  • Etappe der akut revolutionären Situation,
  • Etappe des bewaffneten Kampfes und des Aufstandes.“ (Revolutionärer Weg 20, Strategie und Taktik im Klassenkampf Teil 1, S. 68)

Wir alle kennen aus den letzten Jahrzehnten nur die 1. Etappe der nichtrevolutionären Situation, der relativen Ruhe im Klassenkampf. Damit eine akut revolutionäre Situation, die 2. Etappe ausreift müssen die objektiven und subjektiven Voraussetzungen da sein. Wir können den Lauf der Dinge nicht willkürlich beeinflussen, wie mancher ungeduldig meint. Wir können auch nicht auf die spontane Entwicklung passiv warten. Die Aufgabe der Revolutionär ist es mit einer bewussten Strategie und Taktik die Entwicklung zu beschleunigen. Angesichts der umfassenden Meinungsmanipulation
durch Medien, Bildungswesen und Regierung mit ihrem System der kleinbürgerlichen Denkweise braucht es heute außerdem auch eine Strategie und Taktik im Kampf um die Denkweise.

Das Programm der MLPD , gibt eine sehr gute Anleitung:
„Der führende Faktor der gesellschaftsverändernden Bewegung für die befreite Gesellschaft des Sozialismus ist der Übergang zur Arbeiteroffensive. Die Verwirklichung der Arbeiteroffensive ist an die systematische Kleinarbeit der Partei gebunden und hat grundlegende Elemente:

  • Der Kampf um Tagesforderungen und Teillosungen muss auf offensive Art geführt werden, um ihn höherentwickeln zu können. Ausgehend vom Kampf um jeden Arbeitsplatz muss die Arbeiterklasse die Arbeitslosigkeit auf Kosten der Profite der Monopole bekämpfen.
  • Der ökonomische Kampf muss die soziale und ökologische Frage umfassen und mit dem politischen Kampf verbunden bzw. in den politischen Kampf übergeleitet werden. Nur so können die Arbeiter begreifen, wie ihre Erfahrungen mit der betrieblichen Ausbeutung und Unterdrückung untrennbar zusammenhängen mit der rücksichtslosen Ausbeutung der Natur, dass beides Ausdruck der Diktatur der Monopole ist und dass der Staat das entscheidende Herrschaftsinstrument der Monopole ist. In den Mittelpunkt der politischen Forderungen muss der Kampf um demokratische Rechte und Freiheiten gerückt werden.
  • Der Kampf zur Befreiung der Arbeiterklasse und zur Befreiung der Frau muss identisch werden.
  • Die Arbeiterkämpfe müssen den Kampf um die Lösung der sozialen Frage mit dem Kampf um die Lösung der Umweltfrage verbinden.
  • Der Motor des Übergangs zur Arbeiteroffensive ist die Einheit von Jung und Alt.
  • Die Einzelkämpfe müssen zu Massenkämpfen zusammengefasst und höherentwickelt werden. Die Arbeiter werden eine überlegene Kraft, wenn sie als Klasse denken, fühlen und handeln. Deshalb ist der Kampf zur Überwindung jeglicher Spaltung und die Organisierung der Klassensolidarität, die Entwicklung branchen- und konzernübergreifender Aktionen und der Einsatz der ganzen Kampfkraft der Arbeiterklasse von grundlegender Bedeutung für die Höherentwicklung des Klassenkampfs. Streiks müssen mit Demonstrationen und anderen Kampfformen verbunden werden, damit sie in einen allgemeinen gesellschaftlichen Zusammenhang rücken.
  • Gegebenenfalls muss der gewerkschaftliche Rahmen durchbrochen werden, und die Arbeiterklasse muss zu selbstständigen Kämpfen übergehen. Sie sind der Maßstab für die Entwicklung der politischen Klassenselbstständigkeit der Arbeiterklasse.
  • Die Arbeiterklasse muss mit dem gesellschaftlich organisierten System der kleinbürgerlichen Denkweise fertigwerden, damit sie ihr Klassenbewusstsein entfalten kann und sich ihre Kämpfe zum Klassenkampf im eigentlichen Sinn höherentwickeln können.
  • Die Arbeiterkämpfe im nationalen Rahmen müssen gegebenenfalls länderübergreifend ausgedehnt werden. So werden sie zur Schule der internationalen Arbeitereinheit und der Vorbereitung der internationalen Revolution.“
    (Programm der MLPD, Kapitel J.1, S.107- 110)

Die Chance auf einen Übergang zur Arbeiteroffensive

Man sieht also: Der Übergang zur Arbeiteroffensive ist eine komplexer Prozess mit weitreichenden Auswirkungen auf den Übergang in eine akut revolutionäre Situation.

Wo stehen wir heute?

Der Konkurrenzkampf verschärft sich

Siemens hat im vergangenen Jahr mit 6,2 Mrd Euro einen Rekordgewinn eingefahren. Trotzdem will der Konzern mindestens 12.000 Arbeitsplätze vernichten. In Deutschland stieg der Umsatz dieses Jahr je Beschäftigtem in der Industrie um 4,7%.  Dennoch plant der Bundesverband der
Deutschen Industrie in Zusammenarbeit mit der künftigen Bundesregierung Angriffe auf das Arbeitszeitgesetz, so soll der gesetzliche 8-Stunden-Tag aufgehoben werden.

„Die kriegen den Hals nicht voll“, sagen zurecht viele Kollegen stinksauer.

AirBerlin wird zerschlagen. Die Kollegen kämpfen um die Auszahlung ihrer Löhne, während CEO Thomas Winkelmann bis 2021 seinen garantierten Jahresverdienst von 950.000 Euro plus 400.000 Euro Mindestprämie bekommt.

Aber allein die Gier der Manager erklärt nicht, warum führende deutsche Monopole gleich reihenweise mit ihren Belegschaften anlegen. Der verschärfte Konkurrenzkampf zwingt sie zu einer härteren Gangart bei der Ausbeutung der Arbeiter. So ist die geplante Schließung mehrerer Siemenswerke und darüber hinaus angekündige betriebsbedingte Kündigungen eine neue Stufe der offenen Angriffe. Auf Kosten der Belegschaft will Siemens seine Weltmarktführerschaft im Turbinenbau ausbauen.

Der Kampf um die Denkweise in den Belegschaften

Sich auf so eine Weise mit ihrer Belegschaft anzulegen, das machen die Konzernchefs ungern. Sie wissen genau um die Durchschlagskraft der organisierten Arbeiter. Die Siemenskollegen und Stahlarbeiter von ThyssenKrupp, wodurch die geplante Fusion mit dem indischen Konzern Tata
auch Tausende Arbeitsplätze abgebaut werden sollen, haben schon mit mehreren großen gewerkschaftlichen Aktionen gezeigt, dass sie nicht bereit sind, diese Angriffe hinzunehmen. Es entfaltet sich die Auseinandersetzung, was getan werden muss. Dabei mehren sich die selbstbewussten Stimmen für einen konsequenten Kampf und gegen faule Kompromisse der Reformisten in der Gewerkschaftsspitze nach dem Motto „mehr war nicht drin“.

Da ist eindeutig was im Gange in den Betrieben. Es zeichnen sich sehr spannende Tarifrunden 2018 in der Metall – und Elektroindustrie und im öffentlichen Dienst ab. Für die Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall die mehr als berechtigte Forderung nach 6% mehr Lohn aufgestellt, daneben ist die Arbeitszeit ein zentrales Thema. Im Osten fordern Belegschaften nach 27 Jahren der Einheit Deutschlands endlich die Angleichung auf 35- Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich: „Wir sind keine Arbeiter zweiter Klasse und wollen auch nicht länger als solche behandelt werden! Wir gehen nicht unter in unseren Niederlagen, sondern in Kämpfen, die wir nicht führen!“ schreiben Kollegen aus Jena-Saalfeld in einem offenen Brief.

Die Politik der Gewerkschaftsführung als Co-Manager neben den Konzernchefs geraden immer mehr in die Kritik. In ihrer negativen Klassenzusammenarbeitspolitik rücken Betriebsratsfürsten, ähnlich wie alle Berliner Parteien, auf die Position des sogenannten Sozialchauvinismus. Dieser vertritt, dass die Arbeiter dieselben Interessen wie „ihr“ Konzern oder „ihre“ Regierung haben und sich im imperialistischen Konkurrenzkampf am besten schützend vor den Konzern oder die Regierung stellen. Demnach vertreten die Bundesregierung und EU einen „guten, erträglichen“ Imperialismus, der gegen die „bösen“ Imperialisten, u.a. aus den USA und China geschützt werden müsse. Die Arbeiter von Siemens merken ja deutlich, wie „gut“ ihr Konzern zu ihnen ist. Dem Konzern geht es in dem Maße gut, wie er die Arbeiter ausbeutet und unterdrückt!

Und wie weiter?

Wir brauchen die Gewerkschaften als Kampforganisationen. Allein in der IG Metall sind z.B. 2,3 Mio Arbeiter organisiert. Statt aus Kritik über das Co-Management mancher Funktionäre aus der Gewerkschaft auszutreten muss die volle Kampfkraft gegen die Arbeitsplatzvernichtung und die Tarifforderungen entfaltet werden. Dafür müssen wir in der Gewerkschaft über diesen Richtungsentscheid streiten!

Die richtige Antwort auf die vermehrten Angriffe sowie die ausstehende Umstrukturierung der Autoindustrie ist der Kampf für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Sie führt alle Belegschaften zusammen, anstatt dass sie sich gegeneinander ausspielen lassen.

Auf der anderen Seite ist der gewerkschaftliche Rahmen begrenzt. Die deutschen Gesetze sind sehr restriktiv und z.B. ein Streik für politische Forderungen oder auch gegen eine Werksschließung nicht erlaubt. Entsprechend muss der gewerkschaftliche Rahmen wenn nötig auch durchbrochen und selbstständig gestreikt werden. So wird der Kampf um Reformen zur Schule des Klassenkampfs.

Die Haltung zur MLPD klären

In den Betrieben ist die Haltung zur MLPD inzwischen zu einer Kernfrage geworden. Auf den Betriebsversammlungen von Opel Rüsselsheim, oder beim Stahlaktionstag in Bochum hetzten führende Funktionäre der IG Metall antikommunistisch gegen den wachsenden Einfluss der MLPD. Sie sehen ihre Felle davon schwimmen und zielen sie darauf, dass die Kollegen bei aller Kritik am Co-Management der Gewerkschaftsführung Angst bekommen bei der Zusammenarbeit mit Marxisten-Leninisten vor einen roten Karren gespannt zu werden, oder genauso ins Feuer zu geraten wie die Kollegen der MLPD.

Das entfaltet seine zersetzende Wirkung vor allem, so lange es unwidersprochen bleibt. Wo Kollegen offensiv den Antikommunismus und diese undemokratische Hetze kritisieren, werden immer mehr Kollegen damit fertig.

Ausbeutung und Unterdrückung können beendet werden, wenn sich die Arbeiter an die Spitze des Kampfes für den Sozialismus stellen. Das lässt sich nur mit Hilfe einer revolutionären Arbeiterpartei wie der MLPD organisieren und verarbeiten. Sie besitzt ein umfangreiches Know-How wenns um das Auslösen und Führen von Arbeiterkämpfen geht. Als in Deutschland 2004 das letzte mal eine Arbeiteroffensive mit konzernweiten Massenstreiks, Großdemos gegen Hartz 4 und einer offenen Regierungskrise eingeleitet wurde, hatte sie großen Anteil daran. Diese eingeleitete Arbeiteroffensive brach unter der Merkelregierung und ihrem System der kleinbürgerlichen Denkweise wieder ab. Wenn wir MLPD, REBELL und Internationalistisches Bündnis erheblich stärken, wird das für die Herrschenden nicht mehr so leicht zu machen sein.

(Artikel aus dem aktuellen REBELL Magazin 1/2018: Arbeiter in die Offensive, Hier Abo abschließen oder hier Heft bestellen)

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