Published on Oktober 3rd, 2017 | by K

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„Sie schicken neue Soldaten nach Afghanistan, um ihre eigenen Truppen zu schützen“

Shamsullah ist 18 Jahre alt und lebt in Reutlingen. Er kommt aus Rasni in Afghanistan und erzählt uns seine Geschichte:

„2015 bin ich in der Erstaufnahmeeinrichtung Mühlenbach angekommen. Mein Vater wurde von der Taliban getötet. Meine Mutter und meine sieben Geschwister sind noch da. Ich will, dass meine Familie auch herkommen kann.

Mir selber droht die Abschiebung, weil angeblich „Afghanistan sicher ist“. Ich komme vom Volk der Hasaran und wir sind Schiiten. Schiiten werden von der Taliban und vom IS umgebracht, weil sie keine „richtigen Moslems“ sind. Ich weiß nichts von meiner Familie, ich konnte sie, seit ich hier bin, erst zweimal erreichen, weil die Taliban die Mobilfunkmasten zerstört haben.

Das habe ich alles vor Gericht erzählt, mein Asylantrag wurde aber trotzdem angelehnt. Meine Flucht hat einen Monat gedauert:

Erst bin ich von Afghanistan in den Iran. An der Grenze haben iranische Soldaten auf uns geschossen und wir mussten sehr lange warten und sehr vorsichtig über die Grenze.

Dann sind wir zu Fuß weiter bis nach Ankara, damals konnte man noch über die türkische Grenze. Dann sind wir illegal mit dem Bus nach Istanbul, wenn uns die Polizei da erwischt hätte, hätten sie uns zurück geschickt. Dann sind wir mit dem Boot nach Griechenland gefahren. Dort sind wir dann weiter mit Zügen und Bussen über die Balkanroute gefahren, die damals noch offen war.

Auf die deutsche Regierung kann man nicht zählen. Sie schicken neue Soldaten nach Afghanistan, um ihre eigenen Truppen zu schützen, nicht um uns zu schützen. Am Anfang haben sie noch gegen die Terroristen gekämpft, jetzt bringen sie afghanischen Truppen bei, Krieg zu machen. Wir haben seit 30 Jahren Krieg in Afghanistan und die NATO hat es noch schlimmer gemacht. Die USA wollen jetzt auch mehr Truppen schicken.

Sie benutzen unser Land für Waffenversuche. Die „Mutter aller Bomben“, die Trump geworfen hat, sollte angeblich gegen die Terroristen sein, aber sie hat viele Zivilisten umgebracht und sehr viele taub gemacht! Ich mache meinen Hauptschulabschluss und will dann eine Ausbildung beginnen, damit ich hier bleiben kann. Ich mache Tanzunterricht und wir treten auch auf.

Damit ich nicht abgeschoben werde, helfen mir mein Anwalt und meine Freunde vom REBELL. Wir müssen gegen Abschiebungen kämpfen und protestieren. Dafür müssen alle Menschen hier in Deutschland auch die Wahrheit über Flüchtlinge und über Afghanistan erfahren!“

(Artikel aus dem aktuellen REBELL Magazin 5/2017: 100 Jahre Oktoberrevolution, Hier Abo abschließen oder hier Heft bestellen)

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