Published on August 4th, 2017 | by K

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Was ist Imperialismus?

Lenins geniale Analyse, die Geschichte schrieb!

Zürich, 1916: Europa und die ganze Welt sind vom Krieg zerrüttet, Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, sitzt im Schweizer Exil. Er kann sich nur begrenzter Literatur bedienen und muss die zaristische Zensur umgehen. Doch schreibt er unter diesen Bedingungen sein Werk „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“, analysiert die tiefgreifenden Veränderungen des Kapitalismus und zieht Schlussfolgerungen. Eine Grundlage, die eine Bedingung unter anderem im folgenden Jahr zur siegreichen Oktoberrevolution führt. Seitdem gab es große Umwälzungen im imperialistischen Weltsystem, vieles hat er schon vorausgesagt, und ohne die allgemein gültigen Gesetzmäßigkeiten des Imperialismus, die er herausgearbeitet hat, könnten wir die scheinbar chaotischen Zustände, die wir heute haben, gar nicht verstehen.

Beeindruckend ist, dass sich Lenin auch damals schon mit bürgerlichen und kleinbürgerlichen Ökonomen jeglicher Art auseinandersetzen musste: „Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der „Marxismus widerlegt“ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen.“ („Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“, Kap. I)

Auch heute leisten die bürgerlichen Schreiberlinge eine wüste Gedankenakrobatik, um Krisen und Kriege aus sich heraus zu erklären. Schiffen immer knapp um die Wurzel des Problems herum, weil sie dann nämlich das System in Frage stellen müssten, von dem sie gut bezahlt werden

Konzentration der Produktion und Monopole

Als erstes weist Lenin die von Marx prophezeite gesetzmäßige Monopolbildung der Konzerne als Resultat der „freien Konkurrenz“ nach.

„Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in Bezug auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.“ (ebenda, Kap. I)

Lenin macht am Beispiel von damals vier führenden imperialistischen Ländern (England, USA, Frankreich, Deutschland) fest, dass sich „Monopole, Kartelle und Trusts“ gebildet haben. Die Entwicklung, die zu Zeiten Lenins begonnen hat, ist heute auf die Spitze getrieben. Heute beherrschen 500 Übermopole über 60% des Weltmarkts. Diesen haben sich die Staatsapparate untergeordnet.

Der Kapitalexport

„Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.“ (ebenda, Kap. IV)

Das können wir heute auch beobachten, das allein herrschende internationale Finanzkapital ist ein weltumspannendes Netz von gegenseitigen Beteiligungen, kein großer Konzern in Deutschland besteht heute aus weniger als 60% ausländischen Anteilen!

Und genau dieser Kapitalexport ist den heute alten imperialistischen Staaten, vonbdenen die meisten zu den G7 zählen, zum Verhängnis geworden. In der letzten Weltwirtschafts- und Finanzkrise haben sie so viel Geld in andere Länder gepumpt, dass diese selber zu neuimperialistischen Ländern aufsteigen konnten, unter anderem die sogenannten BRICS- und MIST-Staaten. Dadurch sind neue Machtverhältnisse entstanden, die G7 haben neue Konkurrenten und geraten selbst untereinander immer mehr in Widersprüche.

Imperialismus bedeutet Krieg

Akribisch führt Lenin die ökonomischen Gründe auf, warum es unter imperialistischen Vorzeichen zum I. Weltkrieg kommen musste.

Unter anderem war ein Grund die Entstehung von neuen imperialistischen Ländern (!) wie Deutschland, das besonders aggressiv um Macht und Einfluss kämpfte.

Er setzte sich auch mit den kleinbürgerlichen Hoffnungen opportunistischer Führer wie Karl Kautsky auseinander, die Imperialisten könnten dauerhafte Bündnisse zum gegenseitigen Nutzen schließen und so den Weltfrieden sichern. Einmal wurden diese Hoffnungen durch den I. Weltkrieg zunichte gemacht, aber Lenin wies es auch grundsätzlich nach:

„Interimperialistische“ oder „ultraimperialistische“ Bündnisse sind daher in der kapitalistischen Wirklichkeit, und nicht in der banalen Spießerphantasie englischer Pfaffen oder des deutschen „Marxisten“ Kautsky, notwendigerweise nur „Atempausen“ zwischen Kriegen – gleichviel, in welcher Form diese Bündnisse geschlossen werden, ob in der Form einer imperialistischen Koalition gegen eine andere imperialistische Koalition oder in der Form eines allgemeinen Bündnisses aller imperialistischen Mächte. Friedliche Bündnisse bereiten Kriege vor und wachsen ihrerseits aus Kriegen hervor, bedingen sich gegenseitig, erzeugen einen Wechsel der Formen friedlichen und nicht friedlichen Kampfes auf ein und demselben Boden imperialistischer Zusammenhänge und Wechselbeziehungen der Weltwirtschaft und der Weltpolitik.“ (ebenda, Kap.IX)

Auch heute spitzen sich die Widersprüche zwischen den Imperialisten wieder zu. Neue Imperialisten wie China, Russland oder die Türkei kämpfen aggressiv um ihren Einfluss, die USA müssen um ihren Status als letzte verbliebene Supermacht fürchten. Die EU droht auseinander zu brechen und entwickelt sich sehr ungleichmäßig.

Gleichzeitig werden sich immer mehr Menschen bewusst, dass es so nicht weiter gehen kann und beginnen, nach gesellschaftlichen Alternativen zu suchen.

Der Rechtsruck vieler Regierungen, der reaktionäre Kurs Trumps, die Errichtung einer faschistischen Diktatur durch Erdogan, sind Reaktionen auf diese Entwicklung und nicht etwa Ausgangspunkt. Die Kriegsgefahr entsteht nicht einfach aus bösem Willen, sondern aus dem gesetzmäßigen kapitalistischen Konkurrenzkampf.

Deshalb ist die Gefahr nicht gebannt, sondern wird heute besonders akut.

Aber auch wenn Lenin diese aus Zensurgründen nicht erwähnte, gab es eine Alternative: die Vorbereitung der sozialistischen Revolution durch die Arbeiter und breiten Massen, die dann 1917 in der Oktoberrevolution mündete.

Auch heute haben wir wieder die Wahl… Heute geht es um die internationale sozialistische Revolution!

 

 

„Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ von W.I. Lenin kann hier bestellt werden

 

 

(Artikel aus dem aktuellen REBELL Magazin 4/2017: Droht der III. Weltkrieg? – Eine neue Friedensbewegung ist notwendig!, Hier Abo abschließen oder hier Heft bestellen)

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