Published on Juli 8th, 2016 | by K

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„Mein Name bedeutet Revolution auf Arabisch“

Interview mit der Rapperin Thawra auf dem Rebellischen Musikfestival

REBELL: Hi Thawra. Kannst du dich kurz vorstellen? Wer bist du, was bedeutet der Name und warum machst Du politischen Rap?
Thawra: Mein Name Thawra bedeutet Revolution auf Arabisch. Ich mache politischen Rap, um möglichst viele Menschen für die kommunistische Bewegung zu agitieren.

REBELL: Was ist dein bisheriger Eindruck vom Festival?
Thawra: Ich habe ja vorhin auf der Bühne schon gesagt, dass ich es schön finde, dass hier viele Leute eine Kufiya („Pali-Tuch“) oder die kurdische Variante tragen. Das freut mich deshalb, weil das in Berlin nicht überall selbstverständlich ist. Da muss man sich manchmal überlegen, geb ich mir jetzt den Stress, zu bestimmten Veranstaltungen oder Locations zu gehen. Und aktuell habe ich den Eindruck, dass sich die Situation nochmal verschärft. So gehen meinem Gefühl nach die Antideutschen gerade in die Offensive. Es ist überhaupt großartig zu sehen, dass so viele Menschen zu einem explizit revolutionären Festival kommen. Ich finde auch den Schwerpunkt mit der Kurdistan- und Non-“Citizen-Solidarität“ (Flüchtlingssolidarität, Anm. der Redaktion) gut.

REBELL: Du hast ja schon die Antideutschen angesprochen, mit deiner ersten Veröffentlichung mit Kaveh, ihr habt  damit klar Position bezogen gegen die Antideutschen. Sie stieß ja auch auf große Resonanz, positive wie negative. War dir das bewusst und wie stehst du dazu?
Thawra: Ich habe den Track gemacht, weil ich sehr schlechte Erfahrungen gemacht habe mit Antideutschen, dass sie mich wegen meiner Position, aber auch wegen meines Geschlechts, meiner Rasse und meiner vermeintlichen Religion attackiert haben. Deswegen hat es mich dann auch nicht überrascht, dass es so eine Resonanz gab. Es war also eine bewusste Entscheidung, genauso wie ich bewusst entschieden habe zu sagen, dass ich sie hasse. Das kritisieren ja manche, aber ich sehe gar nicht ein, warum ich dazu keine Gefühle haben sollte. Ich sage ja auch, dass ich Kapitalismus hasse. Die große Solidarität war eher der Part, der mich überrascht hat. Dass ich heute hier bin, ist auch eine Folge dessen, bisher sind ja nur wenige Tracks veröffentlicht. Ich habe auch Solidarität von durchaus zweifelhafter Seite erhalten, wo ich dann kritisch reagiert habe. Das waren Leute wie Verschwörungstheoretiker oder türkische Nationalisten, die sich nur auf die Dinge, die sie verstehen wollen beziehen, deshalb ist mir auch der Track „Bijî berxwedan“ so wichtig in Solidarität mit der kurdischen Bewegung.

REBELL: Thawra, du stichst ja in der deutschen Rapszene heraus. Was sagst du zu den Entwicklungen im deutschen Rap? Gerade wenn die Texte politischer werden, wie beispielsweise bei Samy Deluxe oder Megaloh.
Thawra: Ich finde es ist überhaupt begrüßenswert, wenn sich Leute für Politik interessieren, obwohl dann doch oft nur Scheiße bei rumkommt. Ein sexistisches Album ist ja eigentlich auch ein politisches Album. Ich hab mir die von dir benannten Sachen nicht angehört, aber wenn Rapper z.B. linksliberal oder irgendwie „fortschrittlich“ daherreden, ist dabei was gewonnen? Da müsste mir erst einmal einer erklären, warum das geil sein soll. Für mich sind das fast alles Nationalisten (lachend). Außerdem ist Musik ja auch immer Ausdruck von gesellschaftlichen Trends.

REBELL: Vielen Dank für das Interview, und vielleicht sehen wir uns ja in zwei Jahren auf dem 3. „Rebellischen Musikfestival“.

(Interview aus dem aktuellen REBELL Magazin 4/2016: Regierungen rücken nach rechts – Was steckt dahinter?, Hier Abo abschließen oder hier Heft bestellen)

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