Published on Mai 18th, 2016 | by K

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„Eine Revolution, die die Seele berührt“

50 Jahre Große Proletarische Kulturrevolution

Vor 50 Jahren begann die Kulturrevolution im sozia­lis­tischen China Mao Zedongs. Kaum eine Entwicklung im Aufbau des Sozialismus und der Politik Mao Zedongs steht so im Sperrfeuer des modernen Antikommunismus wie diese Massenbewegung.

Im Programm der MLPD wird die Bedeutung der Kulturrevolution so zusammengefasst: „Die KP Chinas unter der Führung Mao Tsetung stellte sich nach 1956 an die Spitze des Kampfes gegen die Machtergreifung der modernen Revisionisten. Mao Tsetung entwickelte 1966 die Idee der großen Proletarischen Kulturrevolution, als der höchsten Form des Klassenkampfs im Sozialismus. In der ideologisch-politischen Mobilisierung der Arbeiter, Bauern, der revo­lutionären Intellektuellen und der Jugend erkannte er den entscheidenden Damm zur Verhinderung der Restauration des Kapi­talismus. Die Große Proletarische Kultur­revolution stellt die entscheidende Methode des Kampfs gegen die Gefahr einer revisionistischen Machtergreifung dar, durch eine sprunghafte Entwicklung des sozialistischen Bewusstseins der Massen und die Festigung der Diktatur des Proletariats.“1

1949 hatte die neudemokratische Revolution in China nach einem langjährigen Volkskrieg den Sieg davongetragen. Atemberaubende Fortschritte wurden in dem bitterarmen Riesenreich erkämpft: Die großen Landbesitzer wurden enteignet, die Nahrungsmittelproduktion wurde gesteigert, der Hunger bekämpft, eine dezentralisierte Industrialisierung verwirklicht, Frauen bekamen neue Rechte, dem Analphabetentum wurde der Kampf angesagt.

Aber es entstanden auch neue Probleme, besonders, als die Unterstützung aus der Sowjetunion abgebrochen wurde. Dort ergriff mit dem XX. Parteitag 1956 eine neue bürokratische Kapitalistenklasse die Macht und zerstörte den Sozia­lismus systematisch. Auch in China hatten sich kleinbürgerlich-bürokratische Elemente in der Führung der Kommunistischen Partei und in Staat und Wirtschaft breitgemacht. An ihrer Spitze stand ein „bürgerliches Hauptquartier“, wie es Mao Zedong nannte. Das waren insbesondere der damalige Staatspräsident und stellvertretende Parteivorsitzende Liu Shaoqui und sein Gefährte Deng Xiaoping.

Sie forderten „vier Freiheiten“: die Freiheit, Geld zu verleihen und dafür Zinsen zu nehmen, die Freiheit zur Einstellung von Lohnarbeitern, die Freiheit des Landkaufs und die Freiheit, Privatunternehmen einzurichten. Statt um den Klassenkampf zur Verteidigung und Festigung des Sozialismus, sollten sich die Werktätigen darum kümmern, möglichst selber viel Geld zu verdienen. Das sollte durch Förderung des Prinzips des materiellen Anreizes abgesichert werden. Ein ganzes Programm zur Wiedereinführung kapitalistischer Ausbeutung und Unterdrückung.

Mao Zedong hatte fieberhaft darüber nachgedacht und sich beraten, wie eine derartige Entwicklung gestoppt werden könnte. Er entwickelte die geniale Idee der Großen Proletarischen Kulturrevolution. „Bombardiert das bürgerliche Hauptquartier“, hieß es in einer von Mao im August 1966 selbst verfassten Wandzeitung.

Eine zentrale Schlussfolgerung aus der tragischen Entwicklung in der So­wjetunion war, sich im Kampf gegen die entartete Bürokratie auf die Massen und ganz besonders auf die Jugend zu stützen. So heißt es im Beschluss des Zentralkomitees der KP Chinas vom 8. August 1976: „Der Ausgang dieser großen Kulturrevolution wird davon bestimmt sein, ob die Parteiführung es wagt oder nicht, kühn die Massen zu mobilisieren. … Vertraut den Massen, stützt Euch auf sie, achtet ihre Initiative. … Lasst die Massen in dieser großen revolutionären Bewegung sich selbst erziehen und es lernen, zwischen richtig und falsch und zwischen korrekter und unkorrekter Handlungsweise zu unterscheiden.“

Eine Revolution, „die die Seele berührt“2, erfasste das Land. In Massenversammlungen und Wandzeitungen kritisierten die Menschen bürokratische Erscheinungen und deren Verfechter. Dabei kam es auch zu falschen Zuspitzungen, wurden überzogene Maßnahmen ergriffen. Auf sie stürzen sich die antikommunistischen Verleumder der Kulturrevolution – nicht selten Betroffene der damaligen Massenkritik oder Nachfahren der von ihr attackierten kleinbürgerlichen Bürokraten. Die Kulturrevolution war jedoch kein Kampf um persönliche Macht, kein Chaos und keine Anarchie, wie in der bürgerlichen Geschichtsschreibung behauptet wird. Sie war ein unerbittlicher Klassenkampf zwischen der Arbeiterklasse und der überwältigenden Mehrheit des Volkes gegen eine Gruppe von einflussreichen revisionistischen Parteimachthabern. Ein Klassenkampf, der hauptsächlich auf ideologisch-politischem Gebiet ausgetragen wurde. Das war einmalig in der bisherigen Weltgeschichte, darum war der 8. August 1966 ein welthistorischer Paukenschlag.

Aufgetretene Fehler waren auch historisch bedingt, weil es für eine solche Revolution kein Vorbild gab. In weiteren Artikeln wollen wir auf die enormen Erfolge und Errungenschaften der Kulturrevolution eingehen – sowie auf die Lehren, die heute daraus zu ziehen sind.

1 Programm der MLPD, S. 45, damals galt noch die alte Schreibweise Mao Zedongs

2 „Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution“, S. 109

(Artikel aus Rote Fahne Magazin 9/2016)

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