Published on März 19th, 2016 | by K

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REBELL-Brigade berichtet von Weltfrauenkonferenz

Eine Brigadistin der REBELL-Brigade berichtet aus Kathmandu/Nepal:

Der letzte Volksaufstand in Nepal 2006 hat dazu geführt, dass die Monarchie abgeschafft und eine Verfassungsgebende Versammlung gegründet wurde, die 2015 eine neue Verfassung verabschieden konnte. Diese Verfassung war ein großer Fortschritt für die nepalesischen Massen bezogen auf demokratische Rechte und die Gleichberechtigung der Frau. Die kommunistische Bewegung in Nepal hat durch die erfolgreichen Aufstände ein großes Ansehen unter der Bevölkerung, es gibt zahlreiche Parteien, die sich kommunistisch, marxistisch-leninistisch oder maoistisch nennen und die Regierung wird von einer sich kommunistisch nennenden Partei geführt.
Trotz der Gleichberechtigung auf dem Papier und einiger weiblichen Abgeordneten, herrscht gerade in den ländlichen Regionen noch die Unterdrückung der Frau. Frauen und Mädchen, die ihre Tage haben, müssen in einem separaten Haus leben, auf den Straßen sieht man überwiegend Männer und auch sexualisierte Gewalt ist weit verbreitet. Gleichzeitig gibt es eine starke Frauenbewegung, die gegen diese Ungleichheit kämpft. Ein guter Grund also, die Weltfrauenkonferenz in Nepal stattfinden zu lassen!

Teil dieser Frauenbewegung sind neun Frauenorganisationen, die sich als United Women’s Alliance (UWA) zusammengeschlossen haben, um die Konferenz gemeinsam vorzubereiten und durchzuführen. Als Teil der Brigaden des REBELL zur Unterstützung der Vorbereitung, habe ich in den drei Wochen, die ich jetzt schon hier bin, viel mit den Frauen der Organisationen zusammengearbeitet und einige Einblicke in das nepalesische Leben bekommen können. Die Entscheidungsfindung gestaltet sich innerhalb der UWA nicht immer einfach, da neun verschiedene Organisationen oft auch neun verschiedene Meinungen mit sich bringen. Trotzdem kann man auf jedem Treffen spüren, dass die Frauen den Willen haben, die Konferenz zu einem großen Erfolg zu bringen und ihr eine große Bedeutung zumessen.

Wir haben als Rebellen zusammen mit Frauen der verschiedenen Organisationen einige Spende- und Werbeeinsätze gemacht. Auffallend ist die große Hartnäckigkeit der nepalesischen Frauen, von niemanden ein „Nein“ zu akzeptieren, wenn es um Spenden geht. Nicht, dass die Weltfrauenkonferenz auf großen Widerstand innerhalb der Bevölkerung stoßen würde, aber nach dem großen Erdbeben im letzten Jahr, haben viele Menschen auf den Straßen Nepals Spenden für einen angeblich guten Zweck gesammelt, um sich das Geld dann letztlich doch in die eigene Tasche zu stecken. Deswegen mussten wir auch vor unserem ersten Spendeneinsatz eine Sondergenehmigung vom Chief District Officer einholen. Auch hier war die Überzeugungsarbeit der nepalesischen Frauen nötig.
Die nepalesische Bevölkerung findet die Idee der Weltfrauenkonferenz sehr gut und ist oft bereit, diese auch mit zu unterstützen. Beim Plakatieren oder beim Spenden sammeln trifft man oft neue Leute, die bereitwillig ihre Kontaktdaten geben, um bei Vorbereitung und Durchführung zu helfen, oder die genau nachfragen, was die Konferenz sei und ob sie daran teilnehmen könnten. Sie finden es auch sehr gut, dass wir extra den Weg aus Deutschland auf uns genommen haben, um bei der Vorbereitung zu helfen. Die Zusammenarbeit mit den Nepalesinnen klappt von Einsatz zu Einsatz besser, Sprachbarrieren werden durch Hände, Füße und den Willen zum Erfolg leicht überwunden.

Wenn man während der Einsätze oder in der Freizeit durch die Straßen geht, fällt die starke Polizei- und Armeepräsenz auf. Fast täglich gibt es Militärparaden, die Polizei steht fast an jeder Ecke. Im krassen Widerspruch zu den hohen Ausgaben, die das kosten muss, steht die Armut, die man noch öfter als Polizei und Armee auf den Straßen sieht. Es gibt viele Bettler und Wellblechhütten oder Zelte, in denen Leute wohnen, und die Häuser sind nicht nur wegen des Erdbebens in baufälligem Zustand. Die nationale Behörde für den Wiederaufbau (NRA) hat zwar schon 699 Gesundheitseinrichtungen wieder aufgebaut oder repariert, hält aber gleichzeitig noch viele Gelder für den Wiederaufbau der Wohnhäuser zurück und verschiebt die Deadline für die Auszahlungen immer wieder nach hinten. Bauen Leute ihre Häuser ohne Genehmigung der Behörde wieder auf, kann es passieren, dass sie wieder abgerissen werden. Unverständlich ist es daher, dass der Vorsitzende der NRA lieber mit dem Premierminister zu einem Staatsbesuch nach Indien geflogen ist, als die Versorgung der Opfer des Erdbebens sicherzustellen.

Neben Polizei und Armut sieht man in den Straßen auch an fast jeder Ecke einen Tempel oder Schrein für die vielen verschiedenen Götter des Hinduismus. Die Nepalesen und Nepalesinnen erledigen so während des Vorbeigehens schnell ihre Gebete, ohne stehen bleiben zu müssen. Trotz des großen Einfluss der kommunistischen Bewegung in Nepal, ist die Religion noch ein entscheidender Faktor im Leben der Bevölkerung. Ungefähr 80% sind Hindus, knapp 10% Buddhisten. Den Einfluss sieht man unter anderem darin, dass am Samstag die Götter besonders gnädig sein sollen und die Leute deshalb an diesem Tag ihre Bitten und Gebete an den heiligen Stätten in Kathmandu vorbringen und abhalten. Auch innerhalb der kommunistischen Bewegung Nepals spielt die Religion noch eine Rolle. So hat uns ein nepalesischer Genosse, der uns zu sich nach Hause eingeladen hat, gesagt, dass er zwar ein Rebell sei, aber trotzdem noch religiös und deswegen ein Teil seines Essens den Göttern opfere und vor dem Essen bete. Nichtsdestotrotz unterstützt auch er die Konferenz mit aller Kraft und wird mit seiner Familie an ihr teilnehmen.

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