Published on August 4th, 2015 | by K

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„So war’s damals…“ – Kommt zur Herbststudienfreizeit!

Wer saß nicht schon mal völlig gelangweilt im Geschichtsunterricht und fragte sich, wie es wohl wirklich war damals in den 1926-48? Willi Dickhut nimmt uns in seinem autobiographischem Roman „So war’s damals…“ mit in diese Zeit. Als junger Arbeiter organisiert er sich früh in der KPD und entschließt sich sein Leben der Befreiung der Menschheit von Ausbeutung und Unterdrückung zu widmen. Selbst in der düsteren Zeit des Hitler-Faschismus gab er den Widerstand nie auf (siehe Leseprobe unten). Auch heute mit dem Vorrücken der IS Faschisten in Syrien und Irak, dem NSU Skandal in Deutschland und rassistischen Attacken gegen Flüchtlinge ist die Jugend und die Arbeiterklasse wieder gefordert Widerstand zu leisten, lernen wir dafür von Willi Dickhut!

Für alle die mehr erfahren wollen, wie es damals war: Kommt mit zur Herbststudienfreizeit des REBELL! Hier lesen, studieren und diskutieren wir gemeinsam seine Bücher, arbeiten an einem Zeitzeugenbuch, machen dafür Interviews und verbringen eine tolle Bildungswoche mit anderen Jugendlichen aus deiner Region. Mit Besuchen bei Gedenkstätten des kommunistischen Widerstands gegen die Hitlerfaschisten, gemeinsamen kochen, Sport und Kulturabenden.

Das Buch „So war’s damals…“ gibt es beim Verlag Neuer Weg oder bei deiner örtlichen Rebellgruppe. Preis 14€

Herbststudienfreizeiten:

Daaden , Zehntscheune (Rheinland-Pfalz)
Anreise Sonntag, 04.10.2015 bis 21 Uhr
Abreise Samstag, 10.10.2015
Kosten: Übernachtung und Verpflegung 110 Euro
Berlin, Gästehaus in der Reuter Straße
Anreise Sonntag, 18.10.2015 bis 21 Uhr
Abreise Samstag, 24.10.2015 nach dem Mittagessen
Kosten: Übernachtung und Verpflegung 110 Euro
Ferienanlage Truckenthal (Thüringen)
Anreise Sonntag, 01.11.2015 bis 21 Uhr
Abreise Samstag, 07.11.2015 nach dem Mittagessen
Kosten: Übernachtung und Verpflegung 110 Euro

Hier eine Leseprobe aus Willi Dickhuts Zeit als Häftling im KZ Börgermoor:

Im Lager gab es eine Leitung aus zuverlässigen Genossen, die streng konspirativ arbeitete. Eines Tages zog mich ein Genosse beiseite und vertraute mir an:

Du sollst die Nachrichtenübermittlung übernehmen, bist Du damit einverstanden?“

Na klar, aber wie soll das gehen?“

Nachrichten aus dem Lager hinausschaffen kann nur durch entlassene Häftlinge geschehen!“

Aber die müssen sich doch bei der Entlassung verpflichten, kein Wort über das Lager zu erzählen!“

Ich weiß“, meinte der Genosse, „sie dürfen darum nichts davon wissen. Du mußt Dir mal einen Weg ausdenken!“

Und wie sollen die Nachrichten hereinkommen?“ fragte ich ihn.

Das kann nur durch Pakete geschehen, die wir von zu Hause geschickt bekommen, z.B. zwischen den zusammengehefteten Seiten eines starken Kartons!“

Ich überlegte. Jedes Paket wurde von den SS-Leuten scharf untersucht, Packungen wurden aufgerissen, in Marmeladengläsern wurde mit einem Löffel herumgerührt, kurz alles, was nicht durchsichtig war, war verdächtig und wurde besonders kontrolliert.

Und wenn der Zettel mit den Nachrichten gefunden wird?“ stellte ich die höchst überflüssige Frage.

Das kannst Du Dir doch denken: Peng! – Aus!“

Während der faschistischen Diktatur wurde Levines Ausspruch „Kommunisten sind Tote auf Urlaub!“ Wirklichkeit.

Der Vorschlag des Genossen, die Nachricht zwischen den gehefteten Kartonwänden zu verstecken, war mir doch zu riskant, ich dachte mir etwas Sichereres aus. Als ein zuverlässiger Genosse entlassen wurde, vertraute ich ihm meinen Plan an, den er meiner Frau weitergeben sollte. Über sie sollten die Nachrichten weiter vermittelt werden.

Der Plan war einfach. Für das nächste Paket sollte sie einen sehr starken Karton besorgen und eine Wand mit einem Messer aufspalten, die auf dünnem Papier geschriebene Nachricht in den Spalt schieben und oben den Rand etwa einen Zentimeter breit zukleben und fest zu­sammenpressen. Nur ein Kenner sah den feinen Strich, die SS-Kontrolleure haben ihn nie entdeckt. In der Baracke öffnete ich unbemerkt von den Kameraden mit einem Messer die Kartonwand und lieferte die Nachricht ab.

Nachrichten aus dem Lager schmuggeln war noch simpler. Die Pakete der Angehörigen enthielten vielfach Marmelade in Gläsern. Die Gläser wurden nicht wie heute einfach weggeworfen. Damals kannte man keine „Einweggläser“ oder „Einwegflaschen“, nichts durfte umkommen, entsprechend der Nazilosung „Kampf dem Verderb!“ Sogar leere Zahnpastatuben wurden gesammelt und eingeschmolzen.

(…) Während der Kontrolle der zu Entlassenen wurden die leeren Gläser nicht beachtet. Zwischen Deckel und Glas war eine Kartonscheibe zur Abdichtung eingeklemmt. Unter dieser Kartondichtung wurde die Nachricht – auf sehr dünnem Papier mit kleiner Schrift – versteckt.

Solche Nachrichten enthielten konkrete Angaben über das Lagerleben, über Schikanen, Mißhandlungen durch namentlich genannte SS-Schläger usw. Diese Mitteilungen wurden auf Flugblättern im Gebiet von Rhein und Ruhr verbreitet. Unsere SS-Mannschaften wurden dann wild; sonntags morgens Befehl:

Alles antreten!“ und dann jagten sie uns von einem Lagerende zum anderen:

Dauerlauf! – Hinlegen! – Auf! – Dauerlauf!“ – usw. Das war ihre Rache.

Jedesmal wenn ein zu Entlassener eine Nachricht mitbekam, stand ich zwei Stunden wie auf heißen Kohlen. Wird es klappen oder …? Der Empfang wurde im nächsten Brief durch ein gewisses Zeichen bestätigt. Einmal blieb das Zeichen aus – eine Panne? …“ (Willi Dickhut, So war’s damals, S. 194ff)

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