Published on Juni 24th, 2015 | by K

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„Bei den ROTFÜCHSEN lernen die Kinder selbständig denken und handeln“

Interview mit einem Mitglied der Leitung der Kinderorganisation ROTFÜCHSE im REBELL

ROTFUCHS-Gruppen gibt es in rund 25 Städten in Deutschland. Wir sprachen mit einem Mitglied der ROTFUCHS-Leitung.

Die ROTFÜCHSE sind die Kinderorganisation im Jugendverband REBELL. Wie muss man sich das vorstellen?
Kinder von sechs bis zwölf Jahren können bei den ROTFÜCHSEN Mitglied werden. Die jugendlichen Rebellen machen die ROTFUCHS-Arbeit.

Wichtig ist uns, dass die ROTFÜCHSE eine bundesweite Organisation sind. Alle haben drei Monate lang das gleiche Schwerpunktthema. Aktuell: „ROTFÜCHSE sind Umweltkämpfer – rettet die Meere!“ Bei ROTFUCHS-Aussprachen werten sie ihr Jahr aus, wählen Leiter, Kassierer und Kassenprüfer. Sie lernen, ein Treffen zu leiten, mit Geld umzugehen und vieles mehr. Die ROTFÜCHSE sind die einzige Kinderorganisation mit eigener Kasse! Nicht zuletzt gibt es die bundesweite ROTFUCHS-Leitung.

Was macht eine ROTFUCHS-Gruppe?
Die ROTFUCHS-Gruppen treffen sich in der Regel jede Woche. Bei jedem Treffen machen sie einen kleinen Umzug im Stadtteil und laden Kinder ein, machen Sport oder spielen und singen Lieder. Ansonsten bauen die Treffen aufeinander auf. Ab Juli tauchen wir mit jedem Treffen tiefer in das Thema Meer und Wasser ein. Wir basteln kleine Wale und Krebse als Raumdeko, machen ein Experiment zum Wasserkreislauf der Erde. Die Kinder lernen, dass die Meere bedroht sind, und werden aktiv gegen die Verschmutzung der Meere. Wir machen Ausflüge oder Nachtwanderungen. Wichtig ist uns immer, wie man etwas macht. So haben wir feste Rituale mit Schlachtruf, Freundschaft im Wettkampf, gemeinsam aufräumen, sich gegenseitig zuhören und vieles mehr. Denn in diesen sogenannten Kleinigkeiten lernen die Kinder, solidarisch zu sein, vorbildlich mit anzupacken und zusammenzuhalten.

Politik mit Kindern – geht das denn?
Kindererziehung ist immer eine politische Angelegenheit. In jeder Schulklasse gibt es zwei bis drei Kinder, die unter der sogenannten Armutsgrenze leben. Manche Eltern schämen sich, reden mit den Kindern nicht darüber. Die bürgerliche Sozialpädagogik verbreitet, dass man Kinder aus gesellschaftlichen Fragen raus halten soll. Das ist aber gleichbedeutend damit, dass die Kinder die heutigen Zustände als normal und unveränderlich anerkennen sollen! Und die Eltern müssen den Puffer spielen, so sind trotz sinkender Reallöhne die Taschengelder auf einem Rekordhoch. Dabei ist es doch richtig, als Kind zu lernen, die Welt um sich herum zu verstehen, Ungerechtigkeiten beim Namen zu nennen und verändern zu wollen. So wird der Gerechtigkeitssinn der Kinder gefördert, anstatt ihn zu ersticken. In der Kindheit lernt man fürs Leben; das sollte eben nicht heißen, erst in Watte gepackt und später unvorbereitet mit der Realität konfrontiert zu werden. Deshalb heißt es in den ROTFUCHS-Regeln: „Wir setzen uns ein für unsere Zukunft, für eine Welt in Frieden und Freiheit, wo alle Arbeit und Brot haben.“ Natürlich werden keine abstrakten Debatten geführt. Bei den ROTFÜCHSEN lernen die Kinder selbständig denken und handeln und Verantwortung zu übernehmen. Das sind Eigenschaften fürs Leben. Manche gehen später auch in den REBELL. Die, die es nicht tun, erinnern sich noch Jahre später gerne, was sie bei den ROTFÜCHSEN erlebt und gelernt haben.

Wie geht ihr bei den ROTFÜCHSEN damit um, dass die Eltern unterschiedlich hohe Einkommen haben? Welche Auswirkungen hat das?
Jeder Rotfuchs zahlt 50 Cent ROTFUCHS-Beitrag im Monat. Das kann sich jede Familie leisten. Ansonsten stehen wir füreinander ein: Zum Beispiel verkaufen wir Waffeln bei einem Stadtteilfest für die Teilnahme am Sommercamp. Vor allem ist das kein Tabuthema bei den ROTFÜCHSEN. Wir beantragen gemeinsam öffentliche Zuschüsse. Obwohl die Extremismusklausel abgeschafft ist, bekommen Kinder oft aus purem Antikommunismus keine Zuschüsse für die ROTFUCHS-Sommercamps! Dieser Diskriminierung wollen wir dieses Jahr besonders den Kampf ansagen.

Wenn ich mein Kind bei den ROTFÜCHSEN anmelden will, wie geht das?
Das ist ganz einfach. Um bei den ROTFÜCHSEN mitzumachen, muss man die Rotfuchs-Regeln anerkennen, man braucht die Unterschrift der Eltern und muss im Monat 50 Cent Beitrag bezahlen. Dafür wendet man sich an den REBELL oder die MLPD am Ort oder schreibt uns an geschaeftsstelle@rebell.info

Interview zuerst erschienen in Rote Fahne 24/2015


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