Published on April 29th, 2015 | by K

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Nepal: Erdbeben mit Tausenden Toten

(Bericht auf rf-news.de vom 26. April) Durch das gewaltige Erdbeben, das gestern im Himalaya die Erde erschütterte, sind viel mehr Menschen ums Leben gekommen, als in den ersten Stunden nach der Katastrophe angenommen wurde. Allein in Nepal forderte das Erdbeben bisher mehr als 2.400 Menschenleben, in Indien, China, Pakistan und Bangladesch starben mindestens 100 Menschen. Die Zahl der Opfer wird nach Angaben der nepalesischen Behörden weiter steigen. Bei der Suche nach Überlebenden und der Bergung der Opfer stoßen die Helfer auf immer weitere Tote. Das Beben kurz vor Mittag (Ortszeit) erreichte die Stärke von 7,8. Das Epizentrum lag 80 Kilometer nordwestlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu in einer Tiefe von elf Kilometern. Eine Stunde nach dem ersten Beben gab es ein Nachbeben mit der Stärke 6,6. Es folgten weitere Nachbeben. Auswirkungen waren auch in Pakistan zu spüren.

Die Naturkatastrophe ist das stärkste Erdbeben in Nepal seit 81 Jahren. Damals waren mindestens 17.000 Menschen ums Leben gekommen. Seither hat sich die Bevölkerungszahl in Nepal verfünffacht.

Die MLPD schließt sich dem asiatischen Koordinierungskomitee der ICOR an, das in tiefer Trauer über das Ausmaß an Tod und Zerstörung den Massen in Nepal tiefstes Beileid und Mitgefühl ausspricht und Unterstützung zusichert: „Das Asiatische Koordinierungskomitee der ICOR sagt den Menschen in Nepal in dieser, ihrer Stunde der Not Unterstützung zu und ruft alle demokratischen und linken Kräfte auf, zusammenzukommen und den Menschen auf jede ihnen mögliche Weise zu helfen. Wir blicken zu unseren ICOR-Parteien in Nepal, der NCP (Mashal) und der CPN Unified, um den Menschen in Nepal unsere Hilfe zu überbringen und um die ICOR-Parteien auf dem Laufenden darüber zu halten, welche Möglichkeiten es für eine solche Hilfe gibt. Wir rufen alle ICOR-Parteien auf, sich in dieser Zeit für Hilfe für die Menschen in Nepal stark zu machen, auf jegliche denkbare Weise entsprechend ihrer jeweiligen Möglichkeiten.“

Am stärksten betroffen ist die nepalesische Hauptstadt Kathmandu bzw. der Großraum der rasant wachsenden Megastadt. Das Tal von Kathmandu ist dicht besiedelt, hier leben 3 Millionen Menschen. Viele Häuser sind von schlechter Qualität. Schnell aufgebaute Betonbauten, Holz- und Lehmhäuser stürzten ein. In mehreren Dörfern wurden über 90 Prozent der Häuser zerstört. Wasserversorgung und medizinische Hilfe sind schon in „Normalzeiten“ äußerst problematisch. Sofortige internationale Hilfe ist erforderlich!

Auf telefonische Nachfrage berichtete ein Genosse der ICOR-Partei NCP (Mashal), dass ihre Parteizentrale bisher nicht von Zerstörungen betroffen ist. Das ist umso wichtiger, weil es die Organisationsarbeit der Partei bei der Bewältigung der Katastrophe ermöglicht. »Ein kleiner Segen in dieser Situation«, berichtet der Genosse auch, »sind mehrere Rucksack-Wasseraufbereitungsgeräte ‚PAUL’, die wir vor einiger Zeit aus Deutschland bekommen haben. Sie sind in der Lage 1.200 Liter Trinkwasser am Tag von Bakterien zu reinigen. Die Kinderorganisation der MLPD, die „ROTFÜCHSE“ haben 2013 mit einer Spendensammlung die Anschaffung der PAULs unterstützt.«

Der Genosse berichtet weiter, dass insbesondere die historischen Altstädte in Kathmandu, Bhaktabur und Lalitpur sehr weitgehend zerstört sind. Es wurden auch viele alte Gebäude zerstört, darunter Tempel, die zum Weltkulturerbe gehören. Heute morgen gegen 9.30 Uhr gab es ein starkes Nachbeben, so der Genosse, „das annähernd so stark wie das erste war“.

Nepal liegt mitten in einem extrem erdbebengefährdeten Gebiet. Der Forscher Roger Bilham von der University of Colorado ist der Auffassung, dass Nepal und seinen Nachbarn Indien, Pakistan, Bhutan und Bangladesch sogar Erdbeben der Stärke neun drohen. Experten haben seit längerem mit einem großen Beben gerechnet, weil erhebliche tektonische Spannungen gemessen wurden. Auch wenn der konkrete Zeitpunkt nicht exakt vorhersehbar ist, wirft das schwere Unglück die Frage nach einem Frühwarnsystem auf, wie es während der Kulturrevolution im China Mao Zedongs entwickelt worden war.

Besonders Hochhäuser sind Todesfallen. Oft wurden Stockwerke schlicht auf alte brüchige Ziegelbauten draufgesetzt. Ein Schulkind in der Himalaya-Region komme laut einer UNO-Studie bei einem starken Erdbeben mit 400-mal größerer Wahrscheinlichkeit ums Leben, als etwa ein Schüler in einer gleichermaßen erdbebengefährdeten japanischen Großstadt. 65 Schulen sind in Kathmandu in den letzten Jahren architektonisch verstärkt worden, doch bei Krankenhäusern ist nichts geschehen. Eine große Gefahr sind auch platzende Gasleitungen und berstende Wassertanks. Wasser aus brechenden Leitungen überschwemmt Zufluchtsorte wie Keller.

Erst vor wenigen Wochen fand in Nepal ein Treffen der Weltkoordinatorinnen für die Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen statt. Die nepalesischen Frauenorganisationen beteiligten sich mit großer Begeisterung und Elan an den Vorbereitungen der Konferenz. Nach der Katastrophe ist ihnen die Anteilnahme weit über die Weltfrauenbewegung hinaus sicher.

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