Published on November 1st, 2014 | by J

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Proteste gegen Staatsverbrechen in Mexiko

Eine Genossin der Oberschüler- und Studentengruppe des REBELL Wiesbaden befindet sich zur Zeit in Mexiko und hat zu der aktuellen Situation dort eine Korrespondenz geschrieben. Die Bilder sind von Demos am 2. und 8. Oktober.
Am 2. Oktober marschieren jedes Jahr Tausende von Menschen in Mexikostadt, um dem von der Regierung veranlassten Massaker im Jahre 1968 auf dem Platz der drei Kulturen in Tlatelolco zur Repression der Studentenbewegung der 60er zu gedenken. Für viele soziale Bewegungen ist dieser Tag Anlass für den Protest gegen die systematische Unterdrückung durch die PRI „Partido Revolucionario Institutional“. …
Ende des vergangenen Septembers machte sich eine Gruppe von angehenden Lehrern einer öffentlichen Schule im ländlich gelegenen Dorf Ayotzinapa im Bundesstaat Guerrero in die 130 km entfernte Stadt Iguala auf. Nach Aussage der überlebenden Studenten suchten sie dort eine ökonomische Kooperation, um an der Demonstration am 2. Oktober teilnehmen zu können. Ihre Forderungen und Anliegen betreffen die prekären Zustände der „Escuelas Normalistas“ in den ländlich verarmten Gebieten. Als die Studenten in den von ihnen requiriert Autobussen von Iguala abreisen wollten, wurde von der Polizei willkürlich mit schwerer Munition auf sie geschossen. Dabei starben mehrere Studenten und Zivilisten. Von den festgenommenen und abgeführten Studenten gelten weitere 43 Studenten noch immer als vermisst. Am 2. Oktober protestierten Tausende Menschen, mitunter Studenten der autonomen Universität Mexiko (UNAM) (siehe Bild 2. Okt.1) und forderten die Verurteilung der Verantwortlichen an den Morden der Studenten von Ayotzinapa. Ein Student der UNAM berichtet, es sei nun gefährlicher Student zu sein, als arm zu sein. Die Demonstration am 2. Oktober verlief mit geringer Polizeipräsenz im Vergleich zum vorherigen Jahr überraschend friedlich. Am 4. Oktober wurden in einem Massengrab schließlich mehr als 20 teilweise massakrierte Kadaver nicht weit von Iguala gefunden, wo eine Woche vorher auf die Studenten geschossen wurde. Obwohl eine juristische Identifizierung noch aussteht, lassen die Ereignisse Strategien vermuten, in die auch die Regierung verwickelt ist. Darunter sind strukturelle Reformen, vorangetrieben von Präsident Enrique Peña Nieto und dem transnationalen Kapital, zu nennen. Das Massaker ist entgegen der öffentlichen Darstellung nicht nur örtlichen Polizisten und dem Paramilitär von Iguala zuzuschreiben. Die sozialen Bewegungen sind der Regierung ein Dorn im Auge, da für die Forderungen der ärmsten Bevölkerung nur ein geringes ökonomisches Interesse besteht. … Die Morde an Studenten und die Verletzung von Menschenrechten in Mexiko wird in der Öffentlichkeit vornehmlich als Verbrechen korrupter Polizisten und Drogenbanden verschleiert. Dahinter verbirgt sich die alltägliche menschenverachtende Konjunkturpolitik einer neoliberalen Regierung. Das „organisierte Verbrechen“ wird zudem erst durch seine finanziellen Kanäle (für Waffen, Geldwäsche und Schutz der Verantwortlichen) ermöglicht. Diese überschreiten die territorialen Grenzen des Landes und stehen nicht selten in Verbindung mit US-amerikanischen Geheimorganisationen wie die DEA oder CIA.
Am 8. Oktober zogen Tausende von Menschen in mehreren Bundesstaaten Mexikos auf die Straße und forderten die Aufklärung über das Massaker in Guerrero; die Identifizierung der gefundenen Kadaver, das Aushändigen der verschwundenen Studenten sowie die Verurteilung der Verantwortlichen. Der Kampf der sozialen Bewegungen ist mehr als ein punktueller Protest der mit Reformen beschwichtigt werden kann. Der zivile friedliche Widerstand richtet sich gegen die Repression der Zivilbevölkerung und die Repression von sozialen Bewegungen.

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