Published on September 24th, 2014 | by J

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Powerfrauen – Das Leben einer Frau im Kongo

Am Freitag fand eine Gesprächsrunde in Tshibombo mit kongolesischen Frauen statt. Wir dachten zunächst, wir würden mit ein oder zwei Frauen von den kongolesischen Freunden, mit denen wir bauen, sprechen. Doch Schlussendlich kam „das halbe Dorf“ zusammen. Wir saßen mit über dreißig Frauen und zahllosen Kindern auf dem Boden im Kreis zusammen und konnten uns über das Leben der Frauen unterhalten. Wir erfuhren, wie der Alltag der Frauen aussieht. Viele stehen frühmorgens auf, um auf dem Feld zu arbeiten. Vor allem die jungen Frauen machen das den ganzen Tag lang. Auch müssen sie weit nach Mbuji-Mayi auf den Markt laufen, um die Ernte oder selbstgekochtes Palmöl zu verkaufen. Mit dem Geld werden auch wieder Dinge gekauft, die die Familie braucht, etwa Essen oder Seife. Die Waren tragen die Frauen die ganze Zeit auf dem Kopf.
Im Kongo ist es auf dem Land üblich, dass die Mädchen mit 15 Jahren heiraten und mit ca. 16 Jahren ihr erstes Kind bekommen. Die Familien haben auch sehr viele Kinder, 10 sind keine Seltenheit. Oft haben Männer auch mehrere Frauen.
Die Frauen haben sich sehr für unser Leben in Deutschland interessiert und waren verwundert das wir mit 23 Jahren noch nicht verheiratet sind. Außerdem haben sie uns gefragt, wie wir es machen, keine Kinder zu bekommen. Es ist im Kongo nicht so einfach an Kondome oder die Pille zu kommen.
Wir haben allerdings auch darüber geredet, dass in Deutschland nicht alles paradiesisch ist. Dass es Armut, die doppelte Ausbeutung und Unterdrückung der Frau gibt, Arbeitslosigkeit, zu teure Wohnungen etc. gibt.
Zum Schluss haben wir  noch über das Ngenyi-Zentrum gesprochen. Die Frauen können es kaum erwarten, das die Kurse dort beginnen. Ein großer Wunsch von ihnen ist ein Geburtshaus, da es so etwas auf dem Land gar nicht gibt. Zwischenzeitlich gab es eine hitzige Diskussion zwischen den Frauen. Einige wollten Geschenke von uns fordern, andere waren strikt dagegen, dass uns diese Forderung übersetzt wird. Ihnen war klar, dass wir hier hart arbeiten, gemeinsam und solidarisch mit den Kongolesen. Für andere ist es durchaus ein neuer Gedanke, selbst für ein besseres Leben aktiv zu werden.
Das Leben in der Stadt sieht wieder anders aus. Eine Frau des Frauenverbandes AFAKO (Association des Femmes actives du Congo) erzählte von ihrer Arbeit als Grundschullehrerin. Es ist nicht einfach für Familien an Geld und an Wasser zu kommen. Dann leidet der Schulbesuch der Kinder darunter. Typische Berufe für Frauen in der Stadt sind: Bäckerin, Verkäuferin, Lehrerin/Erzieherin, Näherin, Krankenschwester etc. Doch nur 20 von 100 Frauen haben einen Beruf gelernt. Auch gibt es viele Analphabeten.
Der Frauenverband AFAKO ist in Mbuji-Mayi im Aufbau. Aufgrund der Wasserknappheit steigen die Wasserpreise enorm. Ein Polizist wollte nun neuerdings noch Wegezoll vom Wasserträger haben. Eine AFAKO Frau trommelte viele Frauen der Nachbarschaft zusammen und sie erkämpften, das der Polizist seine Arbeit einstellen musste, da sonst die Wasserpreise nochmals gestiegen wären. Das zeigt wie wichtig es ist sich zu organisieren.

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