Published on Juli 13th, 2013 | by Esitileti296

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Neues aus der Weltwirtschafts- und Finanzkrise

Aufruhr in „Boom“-Ländern aus der Roten Fahne 26/2013
Sie haben merkwürdige Kürzel wie BRICS (für Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) oder MIST (für Mexiko, Indonesien, Südkorea und Türkei). Diese Länder werden gern als die „Boom“-Länder des kapitalistischen Weltsystems angeführt. Ausgerechnet in einigen dieser Länder entfalten sich in den letzten Monaten aus scheinbar geringfügigen Anlässen heraus riesige Massenbewegungen.

Sowohl die BRICS- als auch die MIST-Länder waren zu Beginn der Ende
2008 aufgebrochenen und seither anhaltenden Weltwirtschafts- und
Finanzkrise teils heftig betroffen. Aber gerade in diesen Ländern kam es
zu einer schnellen Erholung, ja es gab sogar Erscheinungen der
relativen Belebung und des Aufschwungs. Während die „alten“
imperialistischen Länder Europas, der USA oder Japans kaum aus dem
Krisentief herauskamen, teilweise sogar noch tiefer absackten, wurden in
diesen Ländern relativ hohe Wachstumsraten verzeichnet. Der Hauptgrund
war, dass das überschüssige Kapital der internationalen Banken und
Monopole, das durch die gigantischen Krisenprogramme und
„Rettungsschirme“ auf Kosten der Staatskassen noch aufgebläht wurde,
gezielt in diesen Ländern investiert wurde.
In den letzten Monaten
aber geht dem „Boom“ in diesen Ländern die Puste aus. In Brasilien
schnellte die Industrieproduktion nach einem Minus von 7,4 Prozent im
ersten Krisenjahr 2009 auf Plus 10,4 Prozent im Jahr 2010 hoch, sackte
aber bereits 2011 auf ein schwaches Plus von 0,3 Prozent ab und landete
2012 bereits wieder bei einem Minus von 2,7 Prozent.
Indien schien
von der Krise unberührt, erreichte 2009 ein Plus bei der
Industrieproduktion von 8,3 Prozent, 2010 von 9,8 Prozent, 2011 aber nur
noch 4,8 Prozent und 2012 ganze 0,8 Prozent.
In der Türkei gab es
bei der Industrieproduktion 2009 ein Minus von 9,9 Prozent, aber 2010
bereits wieder ein Plus von 12,8, 2011 ein Plus von 10,1 Prozent, das
sich 2012 auf 2,5 Prozent abschwächte.
Auch in China – dessen
sozialimperialistische Regierung nur sehr unzuverlässige Zahlen vorlegt –
geht das Wirtschaftswachstum in die Knie. Der Widerspruch zu den
angestauten Spekulationsblasen im Weltwirtschafts- und Finanzsystem
verschärft sich dadurch. Das internationale Finanzkapital zittert vor
der akuten Gefahr einer Finanzkrise – es wurden so gewaltige spekulative
Objekte, besonders im Immobilienbereich, hochgezogen, dass immer mehr
Investoren ihre Kredite nicht mehr bedienen können. Die jähen Kursstürze
an den chinesischen und internationalen Börsen nach der Ankündigung von
Chinas Staatsbank, die Geldvergabe zu drosseln, deuten darauf hin, dass
diese Spekulationsblasen zu platzen beginnen. Das ist ein Hauptfaktor
der explosiven Situation in den bisherigen „Boom“-Ländern.
Die
gesamte gesellschaftliche Situation ist gerade dort von tiefen Umbrüchen
geprägt. Bäuerlich geprägte Gesellschaften werden in kurzer Zeit zu
Industrieländern, Millionen ziehen vom Land in die explodierenden
Städte, die Arbeiterklasse wächst, Industriearbeiter produzieren in den
Anlagen der internationalen Monopole auf dem gleichen technologischen
Niveau wie ihre Kolleginnen und Kollegen in den „alten“ kapitalistischen
Ländern. Mit Leih- und Zeitarbeitern und einem System der
kleinbürgerlichen Denkweise wird mit ähnlichen Methoden Spaltung wie
hier betrieben. Eine neue kleinbürgerliche Mittelschicht entsteht – mit
großen Hoffnungen vor allem für die nachfolgende Generation, die jetzt
zunehmend enttäuscht werden.
Gründe für die Empörung der jetzt
aufflammenden Massenbewegungen gibt es mehr als genug. Die
Neuinvestitionen des internationalen Finanzkapitals sind mit einer
enormen Korruption der Regierenden verbunden. Allein in Indien laufen
gegen ein Drittel aller Parlamentarier Strafverfahren wegen
aufgeflogener Korruptionsdelikte.
Umweltverbrechen und brutale
Ausbeutung bis hin zu Massakern an kämpfenden Minenarbeitern wie in
Südafrika, Milliardensummen für Sportarenen, während das Bildungs- und
Gesundheitswesen wie in Brasilien am Boden liegt; die feudale, mit
brutaler Gewalt verbundene Unterjochung der Frauen in Indien;
Umweltverbrechen wie in der Türkei und vielfach auch in China … Die
Anlässe sind unterschiedlich – aber das Wesen ist die grundsätzliche
Unvereinbarkeit des kapitalistischen Ausbeutersystems mit den
Lebensinteressen der breitesten Massen. Auch wenn die gegenwärtigen
Massenbewegungen noch vorwiegend kleinbürgerlich geprägt sind – in ihnen
wird das Potenzial einer revolutionären Weltkrise erkennbar.  Anna
Bartholomé

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