Published on Juni 3rd, 2013 | by Esitileti296

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Türkei: Massenproteste weiten sich in Europa aus

http://www.rf-news.de/2013/kw22/tuerkei-massenproteste-weiten-sich-landesweit-und-in-europa-aus/image_mini02.06.13 – von rf-news.de – Die Proteste in der Türkei haben sich am
gestrigen Samstag weiter ausgeweitet. In mehr als einem Dutzend
türkischer Städte kam es zu Protesten. Sie richten sich nicht mehr nur
gegen die Zerstörung von 600 Bäumen im Istanbuler Gezi-Park neben dem
Taksim-Platz (siehe „rf-news“ von gestern).
Ins Visier gerät mehr und mehr die ganze ultrareaktionär-islamische
Politik der seit zehn Jahren regierenden AKP um ihren
Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan.


Erneut zogen gestern Zehntausende
auf den symbolträchtigen Taksim-Platz.

Die Forderung nach Rücktritt der Regierung ist allgegenwärtig. Auch
in der Hauptstadt Ankara kam es zu Angriffen der Polizei mit Tränengas
und Wasserwerfern auf die Demonstranten. Rettungskräfte geben allein für
Istanbul die Zahl der verletzten Demonstranten mit rund 1.000 an.
Mindestens sechs Demonstranten verloren ihr Augenlicht. Fast 1.000
wurden verhaftet. Die Protestierer setzen sich aus allen Schichten der
türkischen
Gesellschaft zusammen, berichtet ein demonstrierender Architekt.

Die Migranten-Organisation Bir-Kar berichtet aus Ankara: „Die
Polizei griff eine Solidaritätskundgebung mit voller Härte an. Auf dem
Atatürk-Boulevard wurden Wasserwerfer und Pfefferspray gegen die
Demonstranten eingesetzt. … Am 1. Juni in Ankara am frühen Morgen, um
4.00 Uhr wurden Demonstranten, die zum Parlament marschieren wollten,
wieder von der Polizei angegriffen. Das Regime von Erdogan, der als
Handlanger des US-Imperialismus und der NATO in der Region agiert,
versucht mit aller Gewalt die landesweiten Proteste zu stoppen und zu
unterbinden. Bei den Übergriffen wurden hunderte von Menschen schwer
verletzt. Darunter drei Parlamentarier, viele Journalisten. Hunderte
wurden verhaftet und schon beim Abführen von der Polizei brutal
zusammengeschlagen. Wir rufen alle Menschen auf, gegen diese brutalen
Übergriffe seitens des türkischen Regimes, zu aktiven
Solidaritätskundgebungen mit der Bevölkerung in der Türkei.“

Aus Wien berichtet ein Korrespondent: „Am Karlsplatz sind am
Samstag ca. 2.000 Menschen zusammen gekommen, um sich mit den Protesten
in Istanbul zu solidarisieren. Kämpferisch und lautstark auf Türkisch
und Deutsch riefen sie Parolen wie ‚Schulter an Schulter gegen
Faschismus!‘ oder ‚Hoch die internationale Solidarität!‘ Auf einigen
Plakaten wurde auch ‚Erdogan raus‘ und ‚Stoppt die unkontrollierte
Polizeigewalt‘ gefordert. Der Demozug mit vielen roten Fahnen und
Transparenten von Migrantenvereinen endete im Stadtpark.“

Die Stuttgarter „Parkschützer“, eine Widerstandsgruppe gegen das Großprojekt „Stuttgart 21“, solidarisierten sich am 29. Mai: „Wir
bewundern euren Mut und eure Stärke. Als GegnerInnen von Stuttgart 21
stehen wir an eurer Seite … . Wir sind überzeugt davon, dass eine
andere Gesellschaft möglich ist – eine Gesellschaft, die wir gemeinsam
gestalten, in Istanbul, in Stuttgart, in Frankfurt und überall. Kommt
zum dritten europäischen Forum gegen unnütze Großprojekte nach Stuttgart,
damit wir uns gemeinsam unterstützen und unseren Protest und Widerstand
in Europa und anderswo vereinen, um politischen außerparlamentarischen
Druck auszuüben.“
Auch der italienische Widerstand gegen die
Hochgeschwindigkeits-Eisenbahntrasse („No TAV“) aus dem Susa-Tal in der
Nähe von Turin schickt solidarische Grüße nach Istanbul.

Roland Meister vom Zentralkomitee der MLPD erklärt die Solidarität seiner Partei: „Wir fordern die sofortige Freilassung aller verhafteten Demonstranten und die Einstellung aller Repressalien“, so der 60-jährige Anwalt aus Essen.
„Die Genossinnen und Genossen der MLPD werden sich nach Kräften an den
Aktionen der Solidarität in Deutschland beteiligen. Es ist sicher eine
der bedeutendsten flächendeckenden Protestbewegungen in der Türkei seit
Jahren.“
Wie „rf-news“ erfahren hat, ruft die bundesweite
Koordinierung der Montagsdemonstrationen auf, den morgigen Montag ins
Zeichen der Solidarität mit den Protesten in der Türkei zu stellen.

Die türkische Regierung ist sichtlich nervös. Einerseits bekräftigte
Erdogan die Pläne zum Umbau des Taksim-Platzes und forderte ein Ende der
Demonstrationen. Gleichzeitig wurde versprochen, den Polizeieinsatz zu
untersuchen.


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