Published on März 3rd, 2013 | by Esitileti296

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Bochumer Solidaritätsfest mit Opel-Belegschaft

(Nicht nur) Das ganze Revier steht hinter euch: es ist unser gemeinsamer Kampf!
von rf-news.de 03.03.13 – Die Bochumer Innenstadt quillt bereits um 11 Uhr über von den Teilnehmern des Solidaritätsfestes zum 50jährigen Bestehen des Opel-Werkes und dem aktuellen Kampf gegen die unverschämten Angriffe auf die Arbeits- und Ausbildungsplätze. Zehntausende, an die 30.000 Menschen, sind gekommen!

Mit einem großen Autokorso ziehen Opel-Kollegen morgens zum
Rathausplatz – Opel-Modelle aller Jahrgänge werden mit großem Stolz
präsentiert. Auf der Hauptbühne am Rathausplatz findet ein
feierlich-bewegter Auftakt statt: Ein Knappenchor singt das Steigerlied.
Ein Schild mahnt: „Wenn die Zeche stirbt, stirbt die Stadt!“ Ein
Kollege: „Ich war erst auf Zeche, danach hier bei Opel. Bergleute und
Opelaner gehören zusammen!“ Die Bochumer Philharmoniker spielen die
„Fanfare für das einfache Volk.“ Feuchte Augen und Gänsehautfeeling
angesichts der überwältigenden Solidarität prägen diesen Tag.

Ständig
umlagert ist der anziehende Stand des Frauenkomitees BASTA! von
Opelanerinnen, Frauen und Töchtern von Opel-Arbeitern Am Kinder-Maltisch
krakeln Svenja und Nicole: „Opel soll bleiben für immer! Mein Vater
soll nicht arbeitslos werden!“ „Möchten sie nicht auch BASTA!-Frau
werden?“ – werden Passantinnen selbstbewusst eingeladen mitzuarbeiten.

Ganze
Familien mit ihren Kindern ziehen über den Boulevard vorbei an
vielfältigsten Ständen von Geschäftsleuten, Stadtteilinitiativen,
Kirchenverbänden, der IGM-Jugend, von Parteien: von CDU, SPD über Linke,
DKP und MLPD. In der Luft liegt die Frage – feiern wir hier ein
Abschiedsfest oder ein Auftaktfest für den gemeinsamen Kampf?

Der
Stand der MLPD und der Wählerinitiative Vesna Buljevic und Peter
Weispfenning steht weithin sicht- und hörbar für den Weg des gemeinsamen
Kampfes – der eigentliche Kampf kommt erst noch! In intensiven
Diskussionen werden über 120 Unterschriften für die Wahlzulassung der
MLPD gesammelt, neue Mitglieder für die Wählerinitiative gewonnen,
hunderte Rote Fahnen und weitere Literatur verkauft und mit
kämpferischen Liedern das Selbstbewusstsein gestärkt.

So wie die
MLPD viel zur Mobilisierung beigetragen hat, ist es umgekehrt notwendig,
sie entschieden zu stärken, sowohl für die Vorbereitung eines
selbständigen konzernweiten Streiks zum Erhalt aller Arbeitsplätze, wie
für eine Zukunft ohne Krisenchaos, Ausbeutung und Unterdrückung – für
eine sozialistische Alternative.

Auf der Bühne am Rathausplatz
zollen zahlreiche Künstler und Künstlerinnen der Opel-Belegschaft und
dem Kampf um ihre Arbeitsplätze Respekt und zeigen Solidarität. Der
Pfarrer der Liebfrauengemeinde klagt an: „Bei mir in der Gemeinde stehen
Opel-Werke. Adam ist nicht eine neue Marke. Adam heißt ‚Mensch‘. Was
hier bei dieser Betriebswirtschaft im Mittelpunkt steht, ist das
Kapital, aber es muss der Mensch im Mittelpunkt stehen!“ Tosender
Applaus.

Als Eva Kerkemeyer, Vorsitzende der IG Metall Bochum,
davon spricht, dass „bereits Verträge geschlossen wurden und sie hoffe,
dass sie in die richtige Richtung gehen“, regt sich allerdings keine
Hand zum Beifall und es gibt einzelne Protestpfiffe.

Rainer
Einenkel, BR-Vorsitzender Opel Bochum bringt dagegen klar auf den Punkt,
warum die Bochumer Vertreter den sogenannten „Deutschlandplan“ von GM,
dem auch IG-Metall Chef Berthold Huber zugestimmt hat, ablehnt. Denn er
bedeutet die Vernichtung von tausenden von Arbeitsplätzen, eine
schrittweise Abwicklung des Opelwerks und nochmals ein Vielfaches an
vernichteten Arbeitsplätzen in der Zulieferindustrie. Damit spricht er
das aus, was die Belegschaft fordert.

Weiter werden mit großem
Hallo betriebliche Delegationen begrüßt: so eine 30köpfige Delegation
von Daimler aus Düsseldorf. Ihr Vertrauenskörperleiter erklärt: „Wenn
Opel Bochum fällt, ist kein deutsches Automobilwerk mehr sicher. Es geht
um die Zukunft der Jugend, deshalb haben wir unsere Kinder gleich
mitgebracht.“ Und er verspricht: „Wenn ihr streikt, sind wir bei euch
und wir kommen auch zur Siegesfeier!“ Von VW Osnabrück kommt eine
Delegation des Betriebsrates und der Vertrauensleute. Sie sagen „Wir
sind auch in der Krise! Wir wissen, wie es euch geht. Wenn ein Werk
fällt, fällt das nächste – deshalb müssen wir gemeinsam kämpfen!“ Vom
Bergwerk Auguste Viktoria sind Kumpel mit Transparent und
Solidaritätsunterschriften angereist.  Auf Initiative verschiedener
Vertrauensleute und der Betriebsratsliste „Offensiv“ werden die
Delegationen mit einem offenen Mikrofon am IG METALL-Stand begrüßt: von
Opel Eisenach und Rüsselsheim, Kollegen aus Zulieferbetrieben wie
Johnson Controls, Conti/VDO Dortmund, Hella Recklinghausen, VW Kassel
und Osnabrück, Audi Neckarsulm, Ford Köln, Verdi-Landesfrauenrat NRW,
Daimler Bremen und Düsseldorf, Vertrauensleute und VK-Leiter des
Landesamts für Datenverarbeitung Düsseldorf, Bayer Lünen, BVV Bochum,
TKS Duisburg und Mülheim, Umweltaktivisten und die Rotfüchse von
Dortmund.

Der „Offensiv“-Vertreter kennzeichnet den
Deutschland-Plan von GM als Generalangriff auf alle Arbeiter und schlägt
einen branchenübergreifenden Aktionstag im Ruhrgebiet vor.

Direkt
weg vom Soli-Fest ist eine Delegation von Bochumer Opelanern nach
Aulnay gefahren, wo die Kollegen von PSA seit Wochen im Streik stehen.
Beinah 1.000 Euro hat Solidarität International (SI) als Spende für die
Kollegen und ihre Familien gesammelt.

Dieses Solidaritätsfest
demonstriert: wenn die Opel-Belegschaft sich zum Kampf entschließt,
steht nicht nur das ganze Ruhrgebiet hinter ihr! Es geht um mehr als um
Solidarität mit den Opelanern. Es geht um die gemeinsame
Arbeiteroffensive! Glückauf!

Auf rf-news.de gibt es auch Fotos!


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