Published on Dezember 13th, 2012 | by Esitileti296

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Offener Brief gegen Spaltung der LL(L)-Demo

(PDF) An die Vorstände
der Falken, Jusos, Naturfreunde Berlin, DGB-Jugend, BundessprecherInnenrat der
Linksjugend solid

Werte Kolleginnen und Kollegen,

mit Empörung haben wir zur Kenntnis genommen, dass ihr ernsthaft
beabsichtigt, die diesjährige LLL-Demonstration zu spalten und eine zweite
Demonstration parallel zur traditionellen Bündnisdemonstration zu organisieren.

Dies ist ein Schlag ins Gesicht des Erbes von Rosa Luxemburg und Karl
Liebknecht.

Wir möchten dringend aufrufen, die lange Tradition der gemeinsamen
LL(L)-Demonstration fortzusetzen und das Spaltungsmanöver zurückzuziehen.

Während ihr euch bisher gegen die Schröder’sche Extremismusklausel
gewandt habt, wendet ihr sie nun in verkappter Form selbst an, indem ihr
zwischen „guten“ und „bösen“ Linken unterscheidet und euch dazu auch gleich
selbst das Recht anmaßt, darüber zu urteilen. Nicht nur das: ihr erwägt sogar
ernsthaft das Verbot des Tragens von Stalin-, Mao- und Ho-Chi-Minh-Bildern. Im
Aufruf der Jusos und der Linksjugend vom 7. April 2012 „Extremismusklausel
kassieren!“ heißt es noch völlig zu Recht: „Sie soll(en) die Bewegung in
einen ,bürgerlichen‘ und einen ,extremen‘ Teil spalten“
– genau das macht
aber ihr hier. Ist euch wirklich soviel daran gelegen, zum „bürgerlichen“ Teil
gehören zu dürfen? Dieser Kniefall vor dem modernen Antikommunismus der
Herrschenden
hat mit dem mutigen, revolutionären Leben Liebknechts und
Luxemburgs nichts gemein.

In eurer Rechtfertigung zur Spaltung der LLL-Demo ist die Rede vom
Fabelwesen eines ominösen „antiautoritären Sozialismus“, den angeblich „emanzipatorischen
Alternativen“,
die im unversöhnlichen Gegensatz zu jeder Form der
„Repression und Diktatur“ stünden. Mit dieser abstrusen Konstruktion müsstet
ihr folgerichtig auch Leben und Werk von Karl und Rosa selbst aus den
LL(L)-Feierlichkeiten ausschließen. Denn Liebknecht und Luxemburg waren
Revolutionäre, Marxisten, Leninisten und standen für den wissenschaftlichen
Sozialismus.

Im Gründungsprogramm der KPD von 1918, maßgeblich von Liebknecht und
Luxemburg formuliert, heißt es nämlich: „Eine solche Ausrüstung der
kompakten arbeitenden Volksmasse mit der ganzen politischen Macht für die
Aufgaben der Revolution, das ist die Diktatur des Proletariats und deshalb die
wahre Demokratie. Nicht wo der Lohnsklave neben dem Kapitalisten, der
Landproletarier neben dem Junker in verlogener Gleichheit sitzen, um über ihre
Lebensfragen parlamentarisch zu debattieren: dort, wo die millionenköpfige
Proletariermasse die ganze Staatsgewalt mit ihrer schwieligen Faust ergreift,
um sie … den herrschenden Klassen aufs Haupt zu schmettern: dort allein ist die
Demokratie, die kein Volksbetrug ist.“

Stalin, Mao und Ho-Chi-Minh standen für eben diese Art von Sozialismus,
haben ihn praktiziert und weiterentwickelt. Unter ihrer Führung wurden dem
Imperialismus einige seiner größten Niederlagen beigebracht. Wir können von uns
sagen, dass wir eine sehr differenzierte Meinung von ihnen haben, auch Kritik
üben. Wer sich jedoch wie ihr in dieser Art und Weise gegen sie richtet, sie
nicht einmal mehr als Linke zählt, dem muss bewusst sein, dass er damit ebenso
Liebknecht und Luxemburg angreift.

Natürlich kann und soll man über die Beurteilung des Erbes von Karl und
Rosa in der Jugendbewegung kontrovers diskutieren – ihr
rechtfertigt aber mit eurer verzerrten Darstellung ihres Lebens und Wirkens den
Ausschluss all jener, die den revolutionären Kern ihres Lebenswerks als
richtungsweisend ansehen.

Ausdrücklich bekräftigen möchten wir auch, die alljährliche
Demonstration nicht nur zu Ehren von Rosa und Karl, sondern auch zu Ehren von Lenin
durchzuführen. Er war nicht nur enger Berater und kritischer Freund der beiden,
sondern auch Führer der ersten erfolgreichen sozialistischen Oktoberrevolution.

Zweifelsohne vertreten wir – und viele Beteiligte – unterschiedliche
weltanschauliche Standpunkte. Und gerade deshalb ist die LLL-Demo ein hohes
Gut
und in dieser Form einmalig, weil sie die wohl bedeutendste
Demonstration für den Sozialismus in Europa ist – übrigens mit Jahr für Jahr
wachsender jugendlicher Beteiligung. Wir stehen auch verschiedenen Aussagen aus
dem von uns unterzeichneten Aufruf des LL-Bündnisses kritisch gegenüber; es
gibt in unseren Augen auch einige kritikwürdige linkssektiererische
Verhaltensweisen auf der Demo usw. Die Teilnehmer der Demo eint jedoch, dass
wir für eine Alternative des Sozialismus jenseits des Kapitalismus stehen
.
Darüber lässt sich diskutieren und streiten, was man auch muss! Absolutes „No
go“ ist es jedoch, dass wir in der linken, fortschrittlichen Jugendbewegung
antikommunistische Spaltung zulassen
.

Wir richten an euch den dringenden Appell, die Einheit der Jugendbewegung
auf Grundlage des Kampfes zu wahren und weiterzuentwickeln
. Die tiefste
Weltwirtschafts- und Finanzkrise in der Geschichte des Kapitalismus verschärft
sich. Die besondere Ausbeutung und Unterdrückung der Masse der Jugend wird sich
erheblich verschärfen. Das fordert den gemeinsamen Kampf – über
weltanschauliche Grenzen hinweg – heraus: Gegen die Jugendarbeitslosigkeit,
Hartz IV und massenhafte Verarmung vor allem unter Kindern und Jugendlichen,
für die Rettung der Umwelt, die die Herrschenden sehenden Auges auf dem Altar
ihrer Profitgier opfern (siehe Doha …), gegen die wachsende Kriegsgefahr und
jede Form kapitalistischer Ausbeutung
und Unterdrückung. Sollte das nicht wichtiger sein als die Anbiederung an die
Führung der heutigen Sozialdemokratie, die doch auch nichts sehnlicher wünscht,
als wieder an die Futtertröge der Macht zu kommen und die Geschäfte des allein
herrschenden internationalen Finanzkapitals zu führen? Statt sich zum Werkzeug
antikommunistischer Spaltung zu machen, ist dies die Aufgabe aller ehrlichen
Erben von Lenin, Liebknecht und Luxemburg.

Wir fordern euch im Interesse der Jugend, im Gedenken an Karl und Rosa
auf, die Spaltung zurückzunehmen!

Für die gemeinsame LL(L)-Demo!

Mit revolutionären Grüßen

Lisa
Gärtner

Vorsitzende
des

Jugendverbands
REBELL


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