Published on Februar 1st, 2012 | by Esitileti296

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Stahlarbeiter: Breite Diskussionen über den Kampf und den Vertragsabschluss

http://www.rf-news.de/2012/kw05/atempause-im-streik-der-edelstahlwerker/image_minivon rf-news.de 01.02.12 – Tagelang haben die Stahlarbeiter der Edelstahlwerke in Bochum und Krefeld gestreikt oder nur mit halber Kraft gearbeitet: von der Nachtschicht von Donnerstag auf Freitag letzter Woche bis zum gestrigen Dienstag früh, immer wieder verbunden mit Aktionen und Demonstrationen, Mahnwachen vor den Toren in eisiger Kälte. Die Versuche, die Kollegen wieder zur Arbeit zu bewegen, hatten keinen Erfolg.

Die Wut über den geplanten Verkauf der Edelstahlsparte mit rund 11.000
Beschäftigten durch ThyssenKrupp an den finnischen Outokumpu-Konzern und
die massenhafte Arbeitsplatzvernichtung verband sich mit der stärker
werdenden Kapitalismuskritik, einem sich entwickelnden offensiven Geist
und einer zunehmenden Verbundenheit mit der MLPD, die von Anfang an klar
an der Seite der Stahlarbeiter stand. Aus zahlreichen Betrieben kamen
Solidaritätserklärungen, bei Montagsdemonstrationen war es das zentrale
Thema. Auf viele Arbeiter wirkt dieser Kampf der Stahlkollegen als
Signal: was sich da im Stahlbereich tut, kommt auf viele Belegschaften
zu – und der Kampf, den die Stahlarbeiter führen, ist auch unser Kampf.

Nach der Kundgebung in Essen am Montag wurde auch in der Nachtschicht
weitergestreikt und es bestand die Möglichkeit, dass in Bochum der
Streik auch auf die benachbarten Walzwerke von ThyssenKrupp Steel
übergreifen würde. In dieser Situation fiel die Bochumer IGM-Führung den
Kollegen in den Rücken und sagte die Busse ab, mit denen die Bochumer
am Dienstag zur gemeinsamen Kundgebung mit den Belegschaften anderer
Standorte, v.a. aus Krefeld, nach Essen fahren wollten. Die Bochumer
Edelstahlkollegen organisierten darauf hin selbstständig einen
Autokorso. Das war ein klarer Höhepunkt des bisherigen Kampfes: Gegen
dieses üble Spaltungsmanöver trafen sich die Belegschaften in Essen!

Auf dieser Kundgebung gab es breite Diskussionen über den Abschluss und
über die zwei Wege, vor denen die Arbeiter stehen: sich einem Abschluss
unterordnen, der ein klarer Kniefall der rechten Gewerkschaftsführung
vor den Stahlmonopolen ist? Der von den Outokumpu-Bossen als „glänzendes
Ergebnis“ bejubelt wurde und an der Börse viel Freude hervorrief? Oder
den Weg des selbständigen Kampfes im Arbeiterinteresse gehen? Schon in
der Tarifrunde haben die Stahlarbeiter mit sehr kämpferischen
Warnstreiks aufblitzen lassen, welche Kampfkraft sie in die Waagschale
werfen können, wenn sie entschlossen vorwärtsgehen. „Wir fühlen uns
verkauft“, erklärten Kollegen zu dem Abschluss oder „dafür haben wir
nicht gekämpft“. Junge Arbeiter aus Krefeld, die nur befristete Verträge
haben, beschwerten sich, dass sie als erste rausfliegen: „Natürlich
müsste man jetzt weiterkämpfen“. Die Kollegenzeitung „Stahlkocher“, die
in den letzten Tagen mit drei Extra-Ausgaben herauskam, wurde von fast
allen Kollegen genommen und die Parole „Unbefristeter Streik, bis alle
Pläne vom Tisch sind“ stieß auf Zustimmung. „Arbeitsplätze und die
Zukunft sind für mich keine Verhandlungssache“, erklärte ein Kollege aus
Krefeld. „Es geht nicht nur um uns, es geht auch um die Jugend“, stand
auf Plakaten.

Jetzt wird in den Belegschaften der bisherige Kampf und der Abschluss
ausgewertet. Klar ist: mit dem Abschluss sollen Tausende von
Arbeitsplätzen vernichtet werden – keineswegs nur in Krefeld! Gerade
wurde in der Tarifrunde die Übernahme der Azubis durchgesetzt – und
jetzt wird das ganze Werk plattgemacht? Bochum wird nur deshalb
hinausgeschoben, weil dort durch die Erfahrungen mit Nokia und vor allem
mit dem jahrelangen und erfolgreichen Kampf gegen die Stilllegung des
Opel-Werkes sehr viel politische Brisanz in einer Werksschließung liegt.
Auch die MLPD als erfahrene Kraft in solchen Kämpfen ist dort gut
bekannt und verankert. Eine Stärkung der Betriebsgruppen der MLPD ist
auf jeden Fall der richtige Schritt, um sich auf einen neuen Massenkampf
vorzubereiten.

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