Published on August 18th, 2011 | by Esitileti296
0Erklärung der Verbandsleitung des Jugendverbands REBELL zu der Jugendrevolte in Großbritannien
17.08.2011 – Am 4. August 2011 wurde im Londoner Stadtteil Tottenham der 29-jährige Familienvater Mark Duggan erschossen. Dieser hatte nicht wie von der Polizei behauptet auf die Polizisten geschossen. Daraufhin fand am 6. August abends eine Demonstration vor der Polizeiwache statt, die die Aufklärung dessen durch die Polizei forderte.
Hintergrund der großen Wut ist jedoch viel mehr:
In Großbritannien liegt die Jugendarbeitslosigkeit offiziell bei 19,6%.
Laut Unicef steht Großbritannien auf dem letzten Platz einer Studie, die
beurteilt, wie gut es Kindern und Pubertierenden geht. Farbige
Jugendliche werden 29 mal öfter von Polizisten angehalten. In Tottenham
wurden 8 von 13 Jugendzentren in den letzten Wochen dicht gemacht.
Die Wut der Jugendlichen darüber ist nicht nur verständlich, sondern vollkommen gerechtfertigt!
Die Wut steigt weiter, wenn man in den letzten Tag den geifernden
Cameron hört: Alle Vorwürfe an ihn über die miserablen Lebensumstände
vieler Jugendlicher weist er von sich, und startet stattdessen einen
Rundumschlag gegen Eltern und Jugendliche – da ist von einer „Kultur der
Faulheit und des Egoismus“ die Rede, von „erzieherischem Vakuum“, vom
„Verfall der Moral“.
Das sagt er, der das schärfste Krisenabwälzungspaket in Europa zu
verantworten hat. Das wird von denen behauptet, die gerade deftige
Korruptionsskandale rund um Scotland Yard & ihre Verwicklungen mit
der Boulevardpresse haben. Bei Scotland Yard denkt man hierzulande an
lupenreine Meisterdetektive – Londoner Jugendliche werden sich eher von
einer Studie von 1993 bestätigt sehen: Eine unabhängige
Untersuchungskommission bestätigte Scotland Yard damals
„institutionellen Rassismus“.
Doch gerade deshalb ist auch klar und muss unter der Jugend geklärt
werden, gegen wen sich die Wut richten muss, gegen wen die geballte
Rebellion der Jugend organisiert werden muss. Weder der Gemüsehändler
um die Ecke noch Jugendliche die ihren Stadtteil bewachen tragen daran
die Schuld. Deshalb weisen wir diese Plünderungen, blinde Zerstörungswut
und Aggression entschieden zurück. Eben weil wir die Schnauze voll
haben von der ständigen Selbstbereicherung der herrschenden Klasse, ist
es falsch sich in kleinkrimineller Art und Weise „nun auch mal ein paar
Krümmel zu holen“. Wenn das „politische Statements“ sein sollen, dann
jedenfalls keine rebellischen und fortschrittlichen. Die Jugend
Großbritanniens braucht mehr als diese „Krümmel“ – doch wenn wir diese
Welt, unsere Zukunft gewinnen wollen müssen wir organisiert und gegen
die Richtigen rebellieren.
Viele Jugendliche übernehmen jedoch Verantwortung dafür, dass ihr
Stadtteil nicht zerstört wird und dass der Kampf gegen die
Regierungspolitik und die Polizei weitergeführt wird. Gemeinsam mit
Erwachsenen wird aufgeräumt, wird eingegriffen bei Plünderungen, wird
der Zusammenhalt im Stadtteil organisiert. Zurecht trugen junge
Migrantinnen auf einer Demonstration mit 2000 Leuten in London am 14.8.
ein großes Transparent: „It is right to rebel against injustice“. Viele
Jugendliche beteiligten sich an dieser Demo, Dutzende sprachen am
Offenen Mikrofon und machten auf Plakaten ihre offenen Rechnungen auf:
„Wir haben euer Phone-Hacking nicht vergessen!“ „Gebt unseren Kindern
eine Zukunft, keine polizeilichen Führungszeugnisse!“ „Wie viele sollen
noch erschossen werden?“ „Stoppt die Kürzungen!“ „Stoppt die
Wohnungskündigungen!“. Auch Kinder demonstrierten mit Transparenten.
Der Unmut über die Regierungspolitik in Großbritannien ist groß, weshalb
das Potential für eine breite Protestbewegung da ist. Sie reihen sich
ein in die Massenproteste gerade der Jugendlichen in Südeuropa,
Nordafrika, in Chile sowie in die großen Proteste gegen soziale
Kürzungen und Erhöhungen der Studiengebühren in England in den letzten
Monaten. Damit unsere volle Solidarität!

