Published on Februar 18th, 2011 | by Esitileti296

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Erfahrungsbericht vom jungen Antifaschisten

18.02.2011 Korrespondenz Essen
Als Teilnehmer der Antifaschistischen Demonstration am 29.01.2011 in Wuppertal,
möchte ich euch über das Vorgehen der Polizei, derer fragwürdigen Ermittlungsverfahren und die wichtige Solidarität innerhalb der Linken Bewegung, in Kenntnis setzen.

Schon das Starten vom Wuppertaler Bahnhof Unterbarmen wurde durch die
Polizei um Stunden verzögert. Eine Gruppe von ca. 150 Antifaschisten
wurde noch auf dem Bahnsteig festgehalten und mit
“Erkennungsdienstlichen Maßnahmen“ vertraut gemacht (alle anwesenden
Personen wurden gefilmt und bekannte Antifaschisten wurden sofort
aussortiert und unter Gewaltanwendung in Polizeigewahrsam genommen.)

Als es dem Rest der Genossinnen und Genossen endlich gestattet wurde ihr
weiteres Vorhaben fortzusetzen, begann das eigentliche Katz und Maus
Spiel mit der Polizei.
Ab dem Zeitpunkt des Startes wurde die gesamte Gruppe, ununterbrochen von
zwei Hubschraubern über der Stadt gefilmt. Des weiteren wurde unsere
Gruppe  Antifaschisten durch die halbe Stadt gelotst und immer wieder
von ihrer Route abgebracht. Somit konnten wir unsere Meinungsfreiheit
nicht ausüben und eine gemeinsame Gegendemonstration wurde verhindert.

Nach mehrstündigem hin und her lotsen durch die Polizei, wurden die
übrigen ca. 40 Personen wieder eingekesselt und mit dem Vorwurf gegen
das Versammlungsgesetz verstoßen zu haben wurde einer nach dem andern
festgenommen.
Und prompt erhielten alle Anwesenden die Spielregeln “für Ihren Aufenthalt in der Gefangenensammelstelle“ in die Hand.
Die gesamte Prozedur dauerte von 14.30 Uhr bis 20.35 Uhr.
Jeder einzelne wurde Erkennungsdienstlich erfasst und in einem Reisebus
der Polizei verfrachtet. Das war eine sehr kalte Angelegenheit, da es
sich über mehrere Stunden hinzog. Als endlich auch der letzte von uns im
Bus saß, ging es unter Begleitschutz von mehreren Polizeiwaagen (super
wofür die Steuergelder wieder einmal eingesetzt werden!) in die
Gefangenensammelstelle des Polizeipräsidiums Wuppertal (Abkürzung der
Polizei = Gesa PP Wuppertal).

Behandelt wie ein Schwerverbrecher, durch gefroren, betatscht,
fotografiert und nummeriert ging es dann in die
Gefangennensammelbereiche, wo wir in vier Käfige systematisch
einsortiert wurden.
Ab da wurden alle unser privaten Gegenstände vorläufig Beschlagnahmt und in braune Papiersäcke verfrachtet.
Die Uhrzeit konnte somit keiner mehr einschätzen, private Telefonnummern
waren ebenfalls unter Beschlag genommen und Telefongespräche waren eh
nicht mehr möglich. Soviel zum Recht einen freien Telefongesprächs… .

In all den negativen Geschehnissen gab es aber auch etwas sehr
lobenswertes und zwar die Organisierung der Roten Hilfe. Bereits während
der Festnahmeaktion war eine Anwältin von der Roten Hilfe zur Stelle,
welche uns auch zur Gefangenensammelstelle des Polizeipräsidiums
Wuppertal begleitete und uns Tatkräftig unterstützte, in dem sie mit zur
persönlichen Vernehmung kam.
Dank ihrer Absprache mit dem bis dato anwesendem Richter, war eine
„rasche“ Entlassung der Gefangenen möglich geworden und unsere Abreise
durch private Fahrgemeinschaften gesichert.
An dieser Stelle nochmal vielen Dank an die Rote Hilfe!!!
Zwei wichtige Schlussfolgerungen aus diesem langen Tag sind: die
Tatsache das ein sehr starkes Zusammengehörigkeitsgefühl unter den
Betroffenen herrschte und das deutsche Polizisten die Faschisten
schützen, statt sich zur Mehrheitlichen Meinung der Bevölkerung stellen.

Die Einschüchterungsversuche der Polizei haben bei mir nicht gezogen,
sondern mir noch deutlicher gemacht wie wichtig es ist sich zu
organisieren.

Rebell*Essen

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