Published on Juni 9th, 2010 | by Esitileti296
0Über 70.000 bei Bildungsprotesten
Heute gingen über 70.000 bei Bildungsprotesten in ganz Deutschland auf der Straße. Mit Begeisterung wurden Kampfformen wie Blockaden und
Straßenbesetzungen durchgeführt. Es waren überwiegend die
jüngeren im Alter von zehn Jahren an aufwärts, welche mit großem Schwung
und Ernst die Masse der Teilnehmer bestimmten. Viele Organisatoren
hatten noch wenig Erfahrung und dafür muss man ihnen alle Achtung
zollen.
Nach den Bildungsprotesten im vergangenen Jahr hatten die
Regierungsparteien den großen Stellenwert der Bildung betont und sich
solidarisch mit den Demonstranten erklärt. Das war ja auch vor der Wahl.
Keine der wesentlichen Forderungen wurde erfüllt. Die Verkürzung der
Schulzeit (G8) ist geblieben, es müssen in zahlreichen Universitäten
Studiengebühren bezahlt werden und an dem auf frühe soziale Auslese
orientierende dreigliedrigen Schulsystem wurde nichts geändert.
Gegenüber letztem Jahr war wohl die Beteiligung geringer. Aber die
diesjährigen Demonstranten waren von einer großen Entschlossenheit
geprägt, für ihre Ziele einzutreten und zu kämpfen. Sie verfolgten die
Orientierung, sich stärker als bisher mit den Arbeitern zu verbinden. „Wir
wünschen uns, dass die Arbeiter in Zukunft viel stärker mit uns
zusammengehen, als das bislang der Fall ist“, so Jörg Rostek von
Bildungsstreik und in Tübingen erklärte sich Tobias Kaphegiy vom DGB vor
über 1.000 Teilnehmern mit den Forderungen der Bildungsproteste
solidarisch. Der Gedanke, welch große Kraft entstehen kann, wenn die
Jugend an der Seite der Arbeiter gemeinsam kämpft, übt große
Anziehungskraft aus.
In zahlreichen Städten hatten sich der REBELL und MLPD an den
Demonstrationen beteiligt. Wenn die Diskussion auf den Sozialismus zu
sprechen kam, herrschte große Aufgeschlossenheit, aber auch
Unwissenheit. Die Frage, wie das alles weiter gehen kann, beschäftigte
die Jugendlichen sehr, und die Auseinandersetzung über den Sozialismus
fällt zusammen mit einer gewachsenen Ablehnung der kapitalistischen
Verhältnisse. Die Zeitung von MLPD und REBELL für die Hochschulen
„Galileo“ wurde wie in Dortmund den Verteilern förmlich aus den Händen
gerissen. Vor allem die REBELL-Aufkleber waren sehr beliebt und wie in
Essen auf Jacken und Taschen geklebt.
Die Rebellion der Jugend reiht sich ein in den Stimmungsumschwung
unter den Massen, der sich in vielfachen Protesten und Kritik an der
Regierungspolitik, der Kommunalpolitik und der Erpressung der
Unternehmer gegenüber den Beschäftigten äußert. So werden sich die
Kämpfe von Jung und Alt gegenseitig beleben.
Hier noch einige Korrespondenzen:
Freiburg: Schüler und Studenten besetzen Hauptbahnhof
Freiburg (Korrespondenz), 09.06.10: Im Anschluss an die kämpferische
Demonstration, an der auch die Gewerkschaftsjugend teilgenommen hatte,
wurde von ca. 500 Studierenden und Schülern der Freiburger Hauptbahnhof
besetzt und das Gleis 1 in
Beschlag genommen. Der Jugendverband REBELL verbreitete das aktuelle
Flugblatt und gewann neue Mitstreiter. Die Gleisbesetzung war eine
spontane Reaktion auf die Mißachtung der Kernforderungen, wie einem
einheitlichen Schulsystem und einem Masterzugang für alle, der
Bildungsstreik-Bewegung durch die bürgerlichen Politiker. Es wurden
Parolen gerufen wie „Ohne Bildung, komm wir nicht zum Zug“, „Wir
schaffen die Gebühren ab – Zug um Zug“ und gesungen „Hejo, leistet
Widerstand, gegen den Sozialabbau im Land, auf die Barrikaden, auf die
Barrikaden“. Nachdem die Demonstranten friedlich das Gleis geräumt
hatten, wurde ein Teil von ihnen auf dem Bahnsteig erneut von der
Polizei eingekesselt und ihre Personalien aufgenommen, sowie ein Foto
gemacht. Wir rufen zur Solidarität mit der Freiburger Demonstration auf.
Einstellung aller Ermittlungsverfahren!
Wiesbaden: „One Solution – Revolution“
09.06.10 – Am Bildungsstreik in Wiesbaden nahmen etwa 1500 Menschen
teil. Das Ziel des Bildungsbündnisses, in dem auch der Jugendverband
REBELL mitarbeitet, war es neben der Kritik am aktuellen Bildungssystem,
auch eigene Forderungen mit einzubringen.
Das wurde mit kämpferischen Redebeiträgen und kreativen Aktionen
deutlich gemacht. Die Redebeiträge sprachen ebenso die Lage der
SchülerInnen, Studierenden, sowie der Azubis an. Außerdem wurde auf die
Demonstrationen gegen die Abwälzung der Krisenlasten am 12.6. in
Stuttgart und Berlin hingewiesen Es wurden Parolen, wie „Bei den Banken
sind sie fix, für die Bildung tun sie nix“ oder „One solution –
Revolution“ („eine Lösung – Revolution“) gerufen. Eine Gruppe
Jugendlicher hatte eine Palästina-Fahne, um sich mit dem dortigen
Befreiungskampf solidarisch zu zeigen.

