Published on September 30th, 2009 | by Esitileti296
0Bremer Schüler stellen brennende Zukunftsfragen
(Korrespondenz Bremen, 23.09.09)Die Gesamtschuloberstufe am Leibnizplatz hatte heute die „kleinen“ Parteien zu einer Erstwählerbefragung eingeladen. Gekommen waren Vertreter der Piratenpartei, Rentnerpartei und Wanja Lange, Jugendkandidat der MLPD.
Eine Woche vorher hatten die etablierten Parteien bei ihrer „Befragung“ in der selben Schule ganz schlecht ausgesehen…
Selbst die Zeitung Weser-Kurier titelte „Podiumsdiskussion bringt kaum
neue Erkenntnisse“- Eine verpätete CDU-Vertreterin, ein FDP-Kandidat,
der den Fragen der Schüler nur Zahlen um die Ohren warf und auf keine
Frage konkret antwortete… Ganz im Gegensatz die heutige Runde- Die
Schüler stellen interessiert Fragen und die Suche nach einer
Alternative ist spürbar.
Zuerst stellen sich die Vertreter der Parteien vor und erklären ihre
Forderungen und Ziele. Wanja geht gleich ans Eingemachte: „Die
Weltwirtschaftskrise ist die größte Krise seit Bestehen des
Kapitalismus. Wir können uns auf zahlreiche Verschlechterungen
einstellen, die nach der Wahl auf uns zukommen werden:
Mehrwertsteuererhöhung, Sozialleistungskürzungen, Massenentlassungen.
Allein bei Daimler Bremen ist die Vernichtung von 2000 Arbeitsplätzen
im Gespräch und 20% der Azubis sollen nicht übernommen werden. Deshalb
müssen wir Jugendlichen jetzt selber aktiv werden und um unsere Zukunft
kämpfen!“ Dafür gibt es große Zustimmung.
Der Vertreter der Piraten plädiert gegen generelle Internetzensur und
will von rechts und links nichts wissen. Es komme auf neue Ideen an.
Dazu meldet sich Wanja zu Wort und sagt, es sei wichtig sich klar von
rechts zu distanzieren und er begrüße es, dass die Faschisten nicht
eingeladen wurden. An dem Punkt entfacht eine rege Diskussion. „Dann
seid ihr ja genauso wie die Rechten, wenn ihr sie ausgrenzen wollt!“
beschwert sich eine Schülerin. Wanja bleibt hart und fordert ein Verbot
aller faschistischen Parteien und Organisationen. Die Geschichte habe
gezeigt, was für ein menschenverachtendes Menschenbild die Nazis
hätten. Ein anwesender Lehrer erklärt, dass die Rechten bewusst nicht
eingeladen worden, weil sie antisemitisch und ausländerfeindlich seien.
Großer Beifall.
Beim Thema Afghanistankrieg sind sich alle einig, die Bundeswehr soll
raus aus Afghanistan. Bedenken äußern einige, der Abzug der Truppen
könnte im Chaos enden. Prinzipiell findet aber die Forderung nach einem
Selbstbestimmungsrecht der Völker großen Anklang. Auch dass die
Soldaten nicht da sind um Frieden zu bringen, sondern um Rohstoffe zu
sichern, leuchtet vielen ein.
Im Laufe der Diskussion geht es immer wieder um die Perspektive
Sozialismus. So fragt ein Schüler „Ist nicht die soziale
Marktwirtschaft realistischer und besser als der Kommunismus, der ja
immer wieder gescheitert ist?“ Wanja antwortet direkt: „Der Begriff
„Soziale Marktwirtschaft“ wird gebraucht, um von sozialen Protesten
abzuhalten. Es kommt im Kapitalismus immer wieder zu Krisen. Am Anfang
gab es gute Ansätze beim Aufbau des Sozialismus. Dann hat eine neue
Bürokratenklasse die Macht an sich gerissen und das Volk unterdrückt.
Es gab noch nicht mal ein Streikrecht. Ich stelle mir den Sozialismus
so vor, dass die Bevölkerung die gewählten Verantwortlichen
kontrollieren und gegebenenfalls absetzen kann. Und dass es breite
Demokratie für die Bevölkerung gibt und wir alle gemeinsam mit unseren
Ideen entscheiden, wie der Sozialismus aufgebaut wird.“
So scheint für viele Schüler ein neues Bild vom Sozialismus zu
entstehen. Auch nach der offiziellen Disussion wird weiter solidarisch
gestritten, Kandidatenkarten und Jungwählerbriefe gelesen und neue
Kontakte geknüpft.
Ein erfischender Höhepunkt der Bremer Offensive für den echten Sozialismus!

