Published on Oktober 14th, 2006 | by Esitileti296

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Eliteförderung – auf Kosten der Masse der Jugend

14.10.2006 (Korrespondenz): Am 13. Oktober gab Bundesforschungsministerin Annette Schavan im Beisein zahlreicher Medienvertreter bekannt, dass 22 Hochschulen in Deutschland mit insgesamt 873 Millionen Euro für die universitäre Spitzenforschung gefördert würden. Die beiden Universitäten in München, sowie die in Karlsruhe wurden dabei in den Rang der Eliteunis gehoben und sollen bis 2011 jeweils mehr als 100 Millionen Euro erhalten.

Für die Masse der Studierenden muss die großzügige Förderung von
Eliteunis und Graduiertenförderungen, die unter der
Schröder/Fischer-Regierung beschlossen wurde, angesichts vieler,
überfüllter Vorlesungen, wie ein schlechter Witz vorkommen. Dabei wird
sich dies in den nächsten Jahren noch dramatisch verschlechtern. So
wird mit einem regelrechten Ansturm auf die Hochschulen gerechnet, weil
in den nächsten Jahren die Kinder der geburtenstarken Jahrgänge auf den
Campus drängen und weil im Jahr 2012 – wie in Baden Württemberg – die
Absolventen des neunjährigen und des neu eingeführten achtjährigen
Gymnasiums zusammentreffen. Deshalb wird z.B. in Baden Württemberg ein
Programm für 16.000 zusätzliche Studienanfänger aufgelegt, das sich
durch eine Konzentration auf die billigere Ausbildung an
Fachhochschulen, Berufsakademien auszeichnet. Die Verschlechterung der
Studienbedingungen für die Masse der Studierenden ist also das
Gegenstück zur Eliteförderung!

“Die deutschen Universitäten
werden auf den globalen Wettbewerb eingestellt” heisst es im Kommentar
der Stuttgarter Zeitung vom 14.10.. Weiter wird von einer
“grundsätzlichen Neuordnung im deutschen Hochschulwesen” gesprochen.
“Wie unter einem Magneten richten sich die Universitäten neu aus.
Verkürzt gesagt, wird statt Breite nun Spitze belohnt!”. Was in diesem
Kommentar jedoch fehlt, ist, welcher Inhalt dies hat und in welchem
Interesse die Neuordnung des Hochschulwesens erfolgt.

Dies
wird derzeit an der Mannheimer Hochschule deutlich. Dort machen
Studenten und Dozenten gegen die Zerschlagung der Studiengänge und
Fächer der Philosophie und Informatik Front, die im Zuge der
“Profilierung” der Hochschule auf die Wirtschaftswissenschaften
erfolgen soll. Der Hintergrund dafür ist, dass die staatliche
Grundfinanzierung der Hochschulen schrittweise zurückgefahren wird.
Dadurch steigt der Druck auf die Hochschulen, um sogenannte
“Drittmittel” aus Industrie, nationalen und europäischen
Förderprogrammen zu konkurrieren. Diese werden vor allem für
Studiengänge, Forschungsprojekte und eine Hochschulorganisation
gegeben, die den aktuellen Wünschen der Wirtschaft und insbesondere die
der Monopole entsprechen.

Das hat weitreichende Auswirkungen auf
das, was erforscht und gelehrt wird. So wird trotz Proteste in
Stuttgart der Studiengang Geowissenschaft aufgelöst, obwohl dies für
die Stadt aufgrund der Minieralwasservorkommen und anderer geologischer
Herausforderungen von großer Bedeutung ist. Eine andere Folge ist, dass
sich Eliteunis mit besten Studienbedingungen und
Forschungseinrichtungen herausbilden (die möglicherweise eines Tages
hohe Studiengebühren verlangen können) und Massenunis, deren
Absolventen wesentlich schlechtere Berufsaussichten haben.

Diese
Entwicklung kann weder im Interesse der Masse der Studierenden, noch
die der Menschen in diesem Land sein. Auch ein Grund, an den
Massendemonstrationen des DGB am 21. Oktober gemeinsam gegen die gegen
das Volk gerichtete Politik zu protestieren.


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