Published on September 5th, 2006 | by Esitileti296

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Sophie Scholl – nicht nur Beispiel für Zivilcourage


Am 18. Februar 1943 werden Sophie und ihr Bruder Hans beim Verteilen von Flugblättern in der Münchner Uni festgenommen, von der Gestapo verhört, und zusammen mit Christoph Probst vom Vorsitzenden des »Volksgerichtshofes« Roland Freisler zum Tode verurteilt und am 22. Februar hingerichtet. 1943 war das Jahr der Wende des II. Weltkrieges. Mit der Vernichtung der 6. Armee bei Stalingrad am 3. Februar war die erste und entscheidende Niederlage der Faschisten besiegelt. In Deutschland selber wuchs die Erkenntnis, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war; die Welle des Widerstands wuchs und erfasste auch studentische Kreise.

Als anläßlich der 470-Jahr-Feier der Münchner Universität am 13. Januar
der Nazi-Gauleiter die Studentinnen aufforderte, statt zu studieren
»lieber dem Führer ein Kind zu schenken«, kam es zu Tumulten. »Einige
Studentinnen sprangen vor Zorn auf und stürmten zum Ausgang.« Auf
Befehl des Gauleiters wurden sie verhaftet. In Sprechchören forderten
ihre Kommilitonen ihre Freilassung: Einige drängten sogar zum Podium,
verprügelten den NS-Studentenführer und »erklärten ihn zur Geisel, und
zwar so lange, bis die Studentinnen wieder auf freiem Fuß seien.« Die
Studentinnen wurden ein paar Tage später freigelassen, und der
Gauleiter musste sich auf einer öffentlichen Versammlung entschuldigen
(Vergleiche Hermann Vinke, Das kurze Leben der Sophie Scholl, 1980).

Die »Weiße Rose« und mit ihr Sophie Scholl merkten: Ihr Widerstand
blieb nicht ohne Resonanz. So wenig organisiert der Widerstand der
»Weißen Rose« war, so blauäugig und zum Teil fahrlässig naiv illegal
gearbeitet und der angeschlagene, und dadurch umso brutaler agierende
Gegner unterschätzt wurde, so großartig ist doch das wunderbare
Beispiel
dieser jungen Menschen, die ihr Leben für eine bessere Welt
eingesetzt
haben.

Kern des Films bildet das ungemein spannende Verhör
Sophies durch den Gestapo-Beamten Mohr. Das  Drehbuch verwendete hier
die authentischen Protokolle. Der Film ist in seiner Darstellung des
Faschismus ernsthaft, aufrichtig und kompromisslos. Leider erfahren wir
in diesem Film über die Ursachen des Faschismus nichts. Wir sehen nur
die äußeren Erscheinungen einer erschreckenden Diktatur, ohne zu
erfahren, dass die Blutherrschaft im Interesse der reaktionärsten
deutschen Monopole wie Krupp, Thyssen, Siemens, IG Farben, usw.
errichtet wurde.

Die »Weiße Rose« hatte begonnen, sich dem Widerstand
der revolutionären Arbeiterbewegung
anzunähern: So bestanden erste
Kontakte zu italienischen Partisanen und zum kommunistischen Widerstand
um die »Rote Kapelle«. Julia Jentsch, die ausgezeichnete Darstellerin
der Sophie Scholl, hofft in einem Interview, sie wünsche sich, dass der
Film bei den Zuschauern Zivilcourage und aktive Auseinandersetzung mit
der Wirklichkeit bewirke. Für eine solche Auseinandersetzung bietet der
Film bewegenden Gesprächsstoff.

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