Published on September 24th, 2006 | by Esitileti296

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Neue Jugendstudie: „Es steckt ein großes Potential in der Jugend“



Rote Fahne-News
(Artikel), 23.09.06
– Am 21. September 2006 wurde in Berlin die 15. Shell-Jugendstudie vorgestellt. Für die vom Energiekonzern Shell finanzierte Untersuchung über Lebensweise, Zukunftsaussichten, Meinungen, Gefühle und Perspektiven der in Deutschland lebenden jungen Generation wurden von Anfang Januar bis Mitte Februar 2006 insgesant 2.532 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 25 Jahren aus allen Bundesländern befragt. Ungefähr ein Drittel von ihnen hat nichtdeutsche Eltern.

Die Erstellung der Studie oblag einer Arbeitsgemeinschaft von
Wissenschaftlern der Universität Bielefeld und des Münchner
Forschungsinstituts TNS Infratest Sozialforschung unter Leitung des
Bielefelder Professors für Sozial- und Gesundheitswissenschaften Dr.
Klaus Hurrelmann. Seit 1953 beauftragt die Deutsche Shell alle vier
Jahre führende deutsche Forschungsinstitute mit der Erstellung der
Jugendstudien, die zu einer in der Öffentlichkeit viel beachteten
Ausrichtung der bürgerlichen und kleinbürgerlichen Jugendarbeit und
Jugendpolitik geworden sind. Das gesamte Konzept und die Fragestellung
sind so gehalten, dass sie nach den Konsequenzen für die Bindung der
Jugend an das herrschende kapitalistische System suchen
.

Die Studie bewertet die Grundhaltung der Jugend als engagiert,
motiviert, konstruktiv und zuversichtlich. „Doch ihr Optimismus wird
stark strapaziert“, meinte Professor Hurrelmann bei der Berliner
Pressekonferenz. Mehr als zwei Drittel der Jugendlichen fürchten sich
vor Arbeitslosigkeit und schlechten Zukunftsaussichten. Im Jahr 2002
waren dies noch 55 Prozent. Dabei ist der Anteil bei den Hauptschülern,
der die beruflichen Chancen als niedrig einschätzt, mit über 80 Prozent
noch deutlich höher als im Durchschnitt. „Es macht sich eine
untergründige Unruhe breit“
, sagt Hurrelmann. „Die heutige Jugend kann
ihr enormes Potential nicht entfalten.“

Eine der Fragen, die in der Studie gestellt worden sind, legt nahe, die
Schuld für schlechte Zukunftsaussichten der heutigen Jugend pauschal
der Elterngeneration in die Schuhe zu schieben. Ob unsere Gesellschaft
am „Methusalem-Syndrom“ kranke, fragten die Forscher ihre jugendlichen
Gesprächspartner. Diese verneinten mehrheitlich: über 80 Prozent der
befragten Jugendlichen äußerten, ein gutes Verhältnis zu Eltern und
Großeltern
zu haben und deren Leistungen hoch zu achten. Äußerst
unzufrieden jedoch sind die Jungen und Mädchen mit der „Praxis der
Demokratie“
, wie die herrschende Politik in der Umfragesprache genannt
wird. Zu deren Parteien und Institutionen empfindet die überwältigende
Mehrheit eine sehr große Distanz.

Die Politiker interessieren sich nur dafür, gewählt zu werden, und es
ist ihnen gleichgültig, was die Wähler wirklich wollen, so die
Einschätzung einer großen Mehrheit. Gleichzeitig bekundeten diesmal 39
Prozent der befragten Jugendlichen Interesse an Politik. Im Jahr 2002
waren dies laut Shell-Studie nur 34 Prozent. Die Mehrheit sieht ihre
politische Position als „etwas links von der Mitte“. Den Neonazis
erteilten sie eine klare Absage
. Erstaunt äußerten sich die Forscher
darüber, dass die Religion im Leben der Jugendlichen keine große Rolle
spiele. Drei Viertel der unter 25-jährigen geben an, oft oder
gelegentlich für soziale oder gesellschaftliche Ziele aktiv zu sein.

Im Bereich der Schulbildung wird den weiblichen Jugendlichen der
größere Ehrgeiz und Erfolg bescheinigt: 55 Prozent der Mädchen streben
das Abitur an gegenüber 47 Prozent der Jungen. Gleichzeitig äußern über
80 Prozent der befragten Jugendlichen, dass ihrer Meinung nach der
soziale Status der Eltern und nicht Leistungsbereitschaft und Fleiß
über Bildungs- und Zukunftschancen entscheiden. Auch die Konkurrenz der
ausländischen Mitschüler und Mitbewerber um Ausbildungs- und
Arbeitsplätze sehen die Jugendlichen nicht als ihr Hauptproblem. Sehr
gerne würde die Mehrheit der Jugendlichen später eine Familie und
Kinder haben – gleichzeitig besteht eine große Skepsis in die
Möglichkeiten, eine vernünftige Arbeit und Kinderbetreuung sowie
-erziehung realisieren zu können.

Professor Dr. Hurrelmann sieht eine Protestbewegung der Jugend wie vor
wenigen Monaten in Frankreich „durchaus an der Tagesordnung“. Er meint:
„Es ist ein brüchiger Friede, den die junge Generation mit den
gesellschaftlichen Verhältnissen geschlossen hat.“ In der Jugend steckt
ein großes Potential – zur Rebellion gegen ein gesellschaftliches
System, das mit ihr im Grunde völlig desinteressiert umgeht und ihre
Zukunft verbaut
. In vielen gesellschaftlichen Kämpfen steht die Jugend
heute schon vorne dran – darüber schweigt die Shell-Studie. Damit die
Jugend ihr Potential voll entfalten kann, braucht sie Klarheit und
Organisiertheit. Unsere Konsequenz aus der neuen Shell-Studie heißt
daher, den REBELL (Jugendverband der MLPD) zum wirklichen
Jugendmassenverband weiter aufzubauen.


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