Published on September 5th, 2006 | by Esitileti296

0

Albert Einstein – Kritischer Wissenschaftler und Rebell


Das Jahr 2005 ist angesichts seines 50. Todesjahres und 100 Jahre Relativitätistheorie zum Einsteinjahr erklärt worden. Er war ohne Zweifel einer der bedeutendsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Seine Popularität geht darauf zurück, dass Einstein sein Ansehen als Wissenschaftler für den Kampf um den Frieden und gegen Unterdrückung eingesetzt hat. Wenn aktuell selbst die Bundesregierung Einstein für ihre Politik vereinnahmt, dann ist das damit verbunden, dessen Sympathien für den Sozialismus regelrecht auszublenden.

Rebell und Kriegsgegner
Einstein, der 1879 in Ulm geboren wurde, hatte eine rebellische Jugend.
Er brach die Schule ab, lehnte sich gegen den Kadavergehorsam,
Militarismus und veralteten Lernmethoden der damaligen Zeit auf. Sein
Grundwissen über die Physik erarbeitete er sich auch teilweise im
Selbststudium. Sehr früh bezog er Stellung gegen den 1. Weltkrieg.

Außerdem empfand er starke Sympathien für die Arbeiterbewegung, mit der
er sich verbunden fühlte und war im Gegensatz zu seinen
Professorenkollegen begeistert von der Novemberrevolution, die dem
Gemetzel des imperialistischen 1. Weltkriegs ein Ende bereitete. Am
Tag, als die Novemberrevolution Berlin erreichte, schrieb Einstein in
seine Vorlesungsnotizen: »9.11. – fiel aus wegen Revolution.« Zwei Tage
nach dem Aufstand in Berlin schrieb er in einem Brief: »Das Große ist
geschehen. Dass ich das erleben durfte. Keine Pleite ist so groß, dass
man sie nicht gern in Kauf nähme um so einer herrlichen Kompensation
willen. Bei uns ist Militarismus und der Geheimratsdusel gründlich
beseitigt« (A. Fölsing, Albert Einstein, Suhrkamp 1993, Seite 475).

(…) 1923 wurde er Mitglied der »Gesellschaft der Freunde des neuen
Russland«. Im Laufe der 1920er Jahre trat Einstein für den Widerstand
und Kriegsdienstverweigerung ein. Nach der Machtübergabe an die
faschistische NSDAP im Jahre 1933 floh Einstein aus Deutschland in die
USA. Nach 1945 verstärkte er seine Kritik an der nuklearen Aufrüstung
und dem Weltherrschaftsstreben der USA.

Sympathien für den Sozialismus
Weitgehend verschwiegen wird Einsteins positive Stellungnahme zum
Sozialismus, die in einem im Mai 1949 erschienenen Artikel »Warum
Sozialismus?« in der Zeitschrift »Monthly Review« zum Ausdruck kommt.
Hier heißt es: »Die ökonomische Anarchie der kapitalistischen
Gesellschaft ist meiner Meinung nach die eigentliche Ursache des Übels
(…). Ich bin davon überzeugt, dass es nur einen Weg gibt, dieses Übel
los zu werden, nämlich den, ein sozialistisches Wirtschaftssystem zu
etablieren, begleitet von einem Bildungssystem, das sich an sozialen
Zielsetzungen orientiert.«

Einsteins Meinung über das Studium gewinnt
angesichts wachsender Vermarktung der Bildung und Unterordnung nach den
Marktprinzipien heute besondere Aktualität: »Unbegrenzte Konkurrenz
führt zu einer riesigen Verschwendung von Arbeit und zu dieser Lähmung
des sozialen Bewusstseins
von Individuen, die ich zuvor erwähnt habe.
Diese Lähmung der Einzelnen halte ich für das größte Übel. Unser ganzes
Bildungssystem
leidet darunter. Dem Studenten wird ein übertriebenes
Konkurrenzstreben eingetrichtert und er wird dazu ausgebildet,
raffgierigen Erfolg als Vorbereitung für seine zukünftige Karriere
anzusehen.«

Im selben Artikel äußerte er sich kritisch zu der
zunehmenden Bürokratisierung von Führern in der Kommunistischen Partei
der Sowjetunion und der Staats- und Wirtschaftsführung. Heute noch ist
Einstein ein bedeutendes Vorbild, weil er nicht nur die Wissenschaft
durch seine Erkenntnisse bereicherte, sondern auch einen kritischen
Geist bewahrte, mit dem Wunsch nach einer von Ausbeutung und
Unterdrückung befreiten Gesellschaft
, in der ihm eine Wissenschaft im
Interesse der Menschen und nicht der Profite besonders wichtig war.

Tags:


About the Author



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Back to Top ↑