Published on August 27th, 2006 | by Esitileti296

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»Terror an der Rütli-Schule – Ausländergesetz soll jetzt verschärft werden!«

Anfang April. Die Lehrer der Rütli-Hauptschule in Berlin-Neukölln treten mit einem verzweifelten Hilferuf an die Öffentlichkeit. Die Zustände an der Schule sind nicht mehr hinnehmbar. Von menschenverachtendem Auftreten mancher Schüler ist die Rede. Und das Szenario beginnt. In den Tagen danach wird die Schule von Kamera-Teams und Reporten belagert. Die Bilder, die durch die bundesweite Presse gehen, sollen den Alltag an der Rütli- Schule dokumentieren. Tatsächlich berichten ein paar Schüler, Reporter haben Geld dafür bezahlt, damit die Jugendlichen vor ihren Kameras randalieren. Gekaufte Randale – diese Inszenierung muss einen Grund haben!
Thomas Härtel, der Staatssekretär für Bildung und Jugend in Berlin setzt zum ersten Schuss an: »Ich habe den Eindruck, dass an vielen Schulen schlicht und einfach auch ein wenig Angst vorhanden ist, Gewaltvorfälle zu melden, weil die möglicherweise dem Ruf der Schule schaden. Und von daher wird doch eine Menge verdeckt.«

Als wenn die Lehrer keine anderen Probleme hätten, als sich um den Ruf ihrer Schule Sorgen zu machen. Im letzten Jahr hat kein einziger Schüler der Abschlussklassen der Rütli-Schule einen Ausbildungsplatz bekommen. Was sagt denn der Herr Staatssekretär für Bildung und Jugend dazu?

Die CDU-Bildungsexpertin Katherine Reiche schimpft: »Manche Eltern vernachlässigen ihre Erziehungspflichten in wirklich eklatanter
Weise.« Diese Eltern, von denen sie spricht, leben im Stadtbezirk Neukölln, der bekanntlich einer der Bezirke ist, der die katastrophalsten Lebens-, Wohn- und Arbeitsverhältnisse in Berlin hat. Dort  leben Familien verschiedenster Nationalitäten, die die sozialen Umstände besonders hart treffen.

Unverblümt nutzt die CDU den Vorfall an der Rütli-Schule, um ihre neue Wahlkampagne zur Verschärfung des reaktionären Ausländerrechts in den Mittelpunkt zu rücken. Unter einem großen Polizeiaufgebot mit Funkwagen und Einsatzkommando werden die Schüler wie potentielle Straftäter überwacht. Solche Polizeieinsätze werden unserer Meinung nach nur in Extremsituationen gebraucht, wie zum Beispiel Vergewaltigungen oder faschistische Übergriffe.

Ministerpräsident Edmund Stoiber schlägt vor: »Ich sehe große Versäumnisse bei den Zuwanderer-Familien. Die Integration ausländischer Mitbürger müsse nicht nur gefordert, sondern auch durchgesetzt werden. Ausländischen Familien, die in Deutschland mit ihren Kindern lebten und über einen längeren Zeitraum die Integration verweigerten, sollten in einem ersten Schritt bestimmte soziale Leistungen gekürzt werden. Bei dauerhafter Verweigerung  der Integration müsse in einem zweiten Schritt auch der Aufenthalt in Deutschland beendet werden.«

In ähnlicher Weise will auch Unions-Innenexperte Wolfgang Bosbach (CDU) das Problem lösen. »Wir brauchen die Möglichkeit, ausländische Mehrfachstraftäter schneller abzuschieben«, sagte er gegenüber der »Bild«-Zeitung. Der blanke Hohn, wenn diese Damen und Herren mit
Kürzungen sozialer Leistungen und Abschiebung drohen, in Zeiten, in denen durch Hartz-IV ganze Familien regelrecht in Armut getrieben werden! Gerade jetzt gehen Ausländer und Deutsche gemeinsam auf die Straße, protestieren lautstark gegen den Abbau ihrer Arbeitsplätze!

Auch die Schüler, Eltern und Lehrer brauchen ein gemeinsames Ziel. Ihre gemeinsame Kampfaufgabe muss sich richten gegen Lehrermangel an den Schulen, die Kürzungen bei den Lehrmitteln und den Schuleinrichtungen. Für eine Perspektive, damit die Jugendlichen wissen, wofür es sich eigentlich lohnt zu büffeln. Dafür braucht jeder Jugendliche einen Ausbildungsplatz! Das Beispiel Rütli-Schule beweist eindeutig, dass die Politiker in der Bundesregierung mit ihrer überheblichen Heuchelei, ihrer Hetze und Diffamierung vor allem unter der Jugend in Deutschland Missmut und Protest auslöst.

Aber wir sind entschieden dagegen, wenn sich der Protest in blinder Zerstörungswut entlädt. Wenn das ganze Umfeld, Mitschüler und vor allem Lehrer zum Feind erklärt, tyrannisiert, bedroht und zusammengeschlagen werden! Wir verurteilen es, wenn Jugendliche mit reaktionären Losungen, frauenfeindlichen Anmachen und Provokationen auftreten! Dieses Urteil gilt somit auch der bürgerlichen Kultur.

Die Massenmedien, deren Aufgabe es ist, der Jugend einen Stempel aufzudrücken, vom Kleiderstil bis zur Ausdrucks- und Verhaltensweise ist alles dabei. »Die Jugend will nicht rumhängen, sie will was Großes leisten.« Davon sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter im Jugendhaus Ché in Gelsenkirchen überzeugt. Durch ihre Erfahrungen und geduldige Überzeugungsarbeit haben sie es geschafft, etliche Jugendliche dafür zu gewinnen, selbst aktiv zu werden. Eigenverantwortlich eine eigene Kultur, ein eigenes Programm zu entwickeln. Da wird auch mal heftig darüber gestritten, ob man die Regeln des Ché dabei einhalten muß oder nicht.

Wie entwickelt man eine erfolgreiche Rebellion? Wie erkämpft man sich eine lebenswerte Zukunft?
Auf dem diesjährigen Sommercamp des REBELL wird das ein zentrales Thema sein. Lernt den REBELL dort kennen! Dort wird zusammen Urlaub gemacht. Junge Menschen unterschiedlichen Alters und Herkunft zeigen, was es heißt, rücksichtsvoll miteinander über diese Fragen zu streiten und
ohne Rücksicht und mit aller Härte dieser unwürdigen Politik der Bundesregierung den Kampf anzusagen.

Maren


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