Published on Juli 25th, 2006 | by Esitileti296

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Was für Jugendvertreter brauchen wir?

Im Oktober und November finden in allen Lehrwerkstätten Wahlen zur Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) statt. Sie sind unsere  gewählten Vertreter im Betrieb. Rechtlich gesehen ist die JAV laut Betriebsverfassungsgesetz verpflichtet »vertrauensvoll« mit der Geschäftsleitung zusammenzuarbeiten und darf offiziell zu keinen Streiks oder Kampfaktionen aufrufen. Trotzdem hat die JAV besondere Möglichkeiten und Rechte im Betrieb, die nicht jeder Azubi hat. Wie z.B. sich für bestimmte Zeiten für die JAV-Tätigkeit von der Arbeit oder Ausbildungseinheit freistellen zu lassen.


In vielen Betrieben muß für bessere Ausbildungsbedingungen gekämpft werden und ist die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung in Frage gestellt. Manche meinen »Es ist mir egal wer gewählt wird« oder »da kannst du sowieso nichts machen«. Da sind wir anderer Meinung. Eine JAV kann über Angriffe auf unsere Rechte rechtzeitig informieren über eine Jugendversammlung oder Informationsrunden in den Azubigruppen. Deshalb geht es um zwei Richtungen bei der JAV-Wahl und zu was die JAV-Funktion genutzt wird: Konsequent von den Interessen der Azubis ausgehen und den Kampf dafür zu organisieren, oder als Co-Manager der Ausbildungsleitung/ Geschäftsführung zu arbeiten. Darum müssen diejenigen in die JAV, die mit den Azubis verbunden sind, die Azubis mobilisieren und gemeinsam den Kampf organisieren.

Dafür brauchen wir Leute, die sich selbstlos einbringen, ein offenes Ohr haben, hilfsbereit, ehrlich, bescheiden, streitbar, unbestechlich und kämpferisch sind. Die ihr Wort halten und keinen Gegenwind scheuen mit uns gemeinsam unsere Forderungen durchzusetzen. Nur dann erfüllen sie ihren Auftrag, den sie durch unsere Wahl erhalten haben. Dafür steht auch Lisa Gärtner, Jugendvertreterin bei Opel Bochum. Sie hat ihre Ausbildung als Mechatronikerin im Frühjahr abgeschlossen. Opel wollte die Azubis aber nicht übernehmen, sondern sie in die Zeitarbeitsfirma Adecco stecken. Mit anderen Kollegen zusammen hat sie sich für die unbefristete Übernahme bei Opel eingesetzt. Als gewählte Jugendvertreterin hat sie auf ihrem Recht bestanden, bei Opel weiter beschäftigt zu werden und sich auch erst einmal durchgesetzt (das Rebell- Magazin berichtete). Jetzt hat sie den Prozess vor dem Bochumer Arbeitsgericht verloren. Zudem soll ihr Anspruch auf die Erstattung der Prozesskosten durch die IG Metall verweigert werden. Darum muss die Solidarität organisiert werden, dass Lisa Gärtner von Opel unbefristet übernommen wird und die Prozesskosten von der IG Metall bezahlt werden.

Dazu dokumentieren wir einige Auszüge aus einem Interview mit Lisa Gärtner aus der Roten Fahne, Wochenzeitung der MLPD, vom 23.06.06: »Ich gehe in Berufung und jetzt geht’s vor das Landesarbeitsgericht, dann muss man weiter schauen. Hinzu kommt, dass es jetzt eine Unterschriftensammlung gibt, weil die IG Metall die Prozesskosten nicht übernehmen will. (…) Das wird mit Formfehlern begründet: Warum ich denn keinen Anwalt von der IG Metall nehmen würde und wieso ich Sachen zu spät abgegeben hätte usw. Das ist nur vorgeschoben. Sie haben im Ortsvorstand darüber abgestimmt, die Rechtsschutzrichtlinien würden ihnen den Spielraum geben, die Prozesskosten zu übernehmen. Ich denke, dass es eine politische Frage ist. Denn gerade bezüglich Adecco war es am krassesten, dass die Betriebsratsspitze, die IG Metall und ich ziemlich aneinander geraten sind, ob man konsequent kämpft oder ob man sich mit dem, was die Geschäftsleitung anbietet, zufrieden gibt.

Es geht auch darum, dass die MLPD auf den Kampf Einfluss genommen hat und ihnen das nicht passt.« Opel will Lisa Gärtner auch los haben, weil der Übernahmekampf dort in die nächste Runde geht: »Bei den Azubis geht’s jetzt los mit dem nächsten Übernahmekampf für das jetzige dritte Lehrjahr, die im Winter auslernen. Da gab es auch schon eine Versammlung mit dem ganzen Lehrjahr, wo wir diskutiert haben, ob man kämpft und wie und vor allem für welche Ziele. Die Leute wollen schon kämpfen, es ist nur die Frage, für was, wie hoch man sich die Ziele steckt, was man für realistisch hält, durchzusetzen. Auf der Betriebsversammlung haben drei Azubis  am Mikrofon gesprochen. Eine Rede wurde von mehreren Azubis und mir zusammen vorbereitet. Ich denke mal, das läuft jetzt anders, die werden aus den Erfahrungen lernen, die wir letztes Mal gemacht haben. Das Positive aus unserem Übernahmekampf übernehmen, dass man gut kämpft und auch, dass es richtig ist, sich nicht mit dem Angebot zufrieden zu geben, nach Adecco abgeschoben zu werden. Daran entbrennt jetzt die Auseinandersetzung.«

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